Rezension: Wie soll ich meine Seele halten: Liebesgedichte -Rilke

Die Liebesgedichte Rainer Maria Rilkes ( 1875- 1926) sind in erster Linie Liebesklagen.
Seine Verse befassen sich häufig mit Liebe und Tod.

Rilkes Lyrik thematisiert Vergänglichkeit, Selbstverlust, Leiden, Verstellung und Einsamkeit und stimmt auf diese Weise den Leser zunächst etwas traurig, bevor er sich auf die Gefühlsintensität des sensiblen Dichters wirklich einlassen kann.

Worte , wie " Lass uns ineinander sinken, um einander zu überstehen.", irritieren ebenso, wie die Gedichtszeile " denn unsere Seelen leben vom Verrat". Ist das so? Sind das Gedanken, die in ein Liebesgedicht passen?

Liebe und Vergänglichkeit sind für diesen Lyriker ein Begriffspaar. Es scheint Rilke nicht möglich in bunten Farben Bilder der Liebe zu malen, immer wieder gibt es graue Töne. Ganz so wie im wirklichen Leben, nicht wahr?

So schreibt er:

Liebes-Lied

Wie soll ich meine Seele halten,dass
sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie
hinheben über dich zu anderen Dingen?
Ach gerne möcht ich sie bei irgendwas
Verlorenem im Dunkel unterbringen
an einer fremden Stille, die
nicht weiterschwingt, wenn deine Tiefen schwingen.
Doch alles, was uns angerührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,
der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.
Auf welches Instrument sind wir gespannt?
Und welcher Geiger hat uns in der Hand?
Oh süßes Lied.


Das ist Rilke. Das ist wahre Poesie!

Empfehlenswert

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen