Rezensionen Helga König

Rezensionen Helga König: Lyrik

Rezension: Hafis Liebesgedichte- Insel-Bücherei

Dieser schöne Gedichtsband ist eine Sonderausgabe der Insel-Bücherei mit Gedichten des persischen Dichters Hafis, übertragen von Cyrus Atabay, der auch das Nachwort dazu geschrieben hat.

Goethe, so erfährt man dort, hat erstmals im Alter von 65 Jahren Gedichte von Hafis gelesen und war fasziniert davon, dass dieser Dichter alle Eigenschaften eines Poeten in besonders harmonischer Art in sich vereint hat.

Der große Frankfurter Sohn bewunderte die Vielschichtigkeit des Werkes von Hafis und damit wohl auch dessen geistige Transparenz, dessen Begeisterung für alles Lebende und die vollkommene Freiheit von jeglichem Dogmatismus.

Chaje Shams-ed-din Mohammad mit dem Beinamen Hafis wurde 1325 in Schiras geboren und verstarb 1390.

Die "Übersicht des Weltwissens" wie Goethe es nannte, erlangte er durch Selbststudium und wurde Lehrer in einer Koranschule und einer der berühmtesten Dichter seiner Zeit.

In seinen Versen geht er kritisch mit der Obrigkeit um, weil er in deren Tun nur Lüge, Heuchelei, Formalismus, Ränke und Dummheit sah.

Hafis war wie Goethe ein passionierter Weintrinker und verteidigte mutig seine persönliche Freiheit.

Die Gedichte sind von ganz besonderer Poesie. Die beigefügten Miniaturen führen in eine andere Zeit und in eine Kultur, die man als Mitteleuropäer mit "Tausendundeiner Nacht "in Verbindung bringt.

Berührend und gültig für alle Zeiten ist wohl sein Gedicht "Ich sagte: Ratlos bin ich deinethalben"

Empfehlenswert.

Helga König

Bitte klicken Sie  auf den Link, dann gelangen Sie zum Inselverlag und knnen das Buch bestellen: http://www.suhrkamp.de/reihen/insel-buecherei_24.html

Rezension: Albert Einstein, Sigmund Freud "Warum Krieg? Ein Briefwechsel. Mit einem Essay von Isaac Asimov- Diogenes

Dieses Taschenbuch enthält einen Briefwechsel zwischen Albert Einstein und Sigmund Freud und zudem einen Essay von Isaac Asimov. Dabei zählt der Briefwechsel zu den grundlegenden Texten des Pazifismus im 20. Jahrhundert. Vorangestellt ist der Korrespondenz ein Essay Albert Einsteins mit dem Titel "Für einen militanten Pazifismus".

Einstein sagt hier von sich, dass er nicht nur ein Pazifist, sondern ein militanter Pazifist sei und für den Frieden kämpfen wolle. Er weiß und unterstreicht, dass nichts den Krieg abschaffen werde, wenn wir nicht den Kriegsdienst verweigern. Jeder vernunftbegabte Mensch muss Einstein zustimmen, wenn er schreibt: "Jeder Krieg fügt ein weiteres Glied an die Kette des Übels, die den Fortschritt der Menschlichkeit verhindert.“ Es ist zutreffend, dass die Massen niemals kriegslüstern sind, solange sie nicht durch Propaganda vergiftet werden und man sie genau deshalb gegen die Propaganda immunisieren muss. Es stimmt, wir müssen Kinder gegen den Militarismus impfen und im Geist des Pazifismus erziehen, nachdem in allen Jahrhunderten in Europa die Völker mit falschen Zielen erzogen worden sind.

Einstein verdeutlicht, dass die Menschen auf der ganzen Welt menschenwürdig leben könnten, wenn nur ein Zehntel der Energien, die die kriegsführenden Nationen in einem Weltkrieg verbraucht,  in sinnstiftenden Projekte fließen würden. Am 30. Juli 1932 wendet er sich  in einem Brief an Freud und dieser schreibt ihm dann im September des gleichen Jahres zurück, also noch bevor die braune Pest an die Macht kam und 70 Millionen Tote durch ihre kriegslüsterne Politik dann zu verantworten hatte.

Er befasst sich in seinem Brief auch mit dem Hass und schreibt:"Im Menschen lebt ein Bedürfnis zu hassen und zu vernichten. Diese Anlage ist in gewöhnlichen Zeiten latent vorhanden und tritt dann nur bei Abnormalen zutage; sie kann aber verhältnismäßig leicht geweckt und zur Massenpsychose gesteigert werden“. Nach Auffassung Einsteins ist es gerade die Intelligenz, die den „verhängnisvollen Massensuggestionen am leichtesten unterliegt.“

Seine Annahme begründet er damit, dass diese Gruppe nicht unmittelbar aus dem Erleben zu schöpfen pflege, sondern auf dem Weg über das gedruckte Papier am vollständigsten zu manipulieren sei. Bedenkt man die 12 Jahre, die nach dem Brief folgten, ist man schon bass erstaunt über die hellsichtige Zukunftsanalyse Einsteins. 

Ich möchte nicht den gesamten Inhalt der beiden Briefe wiedergeben, werde deshalb nichts zu der Replik Sigmund Freuds schreiben und ebenfalls nicht den kleinen Essay mit dem Titel "Die Erde stirbt" verkürzt hier wiedergeben. 

Helga Weyhe, die älteste Buchhändlerin Deutschlands, mit der ich vor einigen Tagen ein Interview realisierte, empfiehlt allen: LESEN, LESEN, LESEN. Genau das empfehle auch ich, wenn es um das Buch "Warum Krieg?" geht, das übrigens die Basler Zeitung nicht grundlos als Grundausstattung eines jeden Haushalts begreift.

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum Diogenes Verlag und können das Buch bestellen:http://www.diogenes.de/leser/katalog/nach_autoren/a-z/e/9783257200287/buch. Sie können es aber auch  direkt beim Buchhändler um die Ecke kaufen.

Rezension: Briefe bewegen die Welt- Humor- Hellmuth Karasek - teNeues

Das ist der 7. Band der Serie "Briefe bewegen die Welt", der seitens des Verlags teNeues auf den Weg gebracht worden ist. Wie stets hat auch bei diesem Buch Jürgen Gerdes, der Konzernvorstand Deutsche Post DHL das Vorwort geschrieben und wie bei vorangegangenen Bänden stammt die Einleitung erneut von Hellmuth Karasek. Er hebt darin hervor, dass Komiker beim Briefeschreiben nur selten komisch sind. Zumeist sei es eine Art Galgenhumor, die sie beim Verfassen von Briefen umtreibe. 

Komik definiert Karasek als ein Aufbegehren und Bewahren der Kindheit mit ihren dadaistischen Scherzen und Purzelbäumen. 

Die Texte  im Buch mit Ausnahme der Briefe, des Vorworts und der Einleitung  wurden von Sonja Wild, Hans Pöllmann und Pit Pauen formuliert und die Briefe, die man für diesen Band zusammengestellt hat, stammen von Verfassern aus unterschiedlichen Jahrhunderten. Dabei ist die Art des Humors, der in diesen Schriftstücken zum Ausdruck kommt, auch dessen Niveau höchst verschieden, was wie das Beispiel Einsteins zeigt, keineswegs eine Frage der Intelligenz  des Verfassers ist

Wie immer sind die Briefe im Original abgedruckt, teilweise von Hand geschrieben, gleichwohl wird zu jedem Originalabdruck der Text gut lesbar in Druckbuchstaben präsentiert, so dass keine Wahrnehmungsmissverständnisse auftreten können. 

Eine Kurzbiografie von Absender und Empfänger, auch deren Konterfeis und andere Bilder, zudem Hintergrundinformationen zu den Briefen werden bereitgestellt, so dass man jeweils eine klare Vorstellung davon bekommt, was den einzelnen Schreiber veranlasst hat, humorig zu texten. 

Zuallererst las ich Albert Einsteins Briefwechsel mit Kindern. 

Weshalb? 

Weil ich Albert Einsteins offenes, freundliches Gesicht mag und ihm genau deswegen sofort einen glühenden Freundschaftsantrag auf Facebook gesendet hätte, wenn er noch lebte und einen Account dort hätte und zwar unabhängig davon, dass er ein Genie war. 

Vor einiger Zeit habe ich eine Rezension zu einer Biographie über diesen  Nobelpreisträger geschrieben und bin überrascht, wie gut die drei Seiten umfassende Kurzbiografie hier im vorliegenden Buch gelungen ist. Dies zeigt erneut, dass sich alles Wesentliche textkomprimiert verbalisieren lässt. Einstein wusste das und handelte danach. Sich an ihm ein Beispiel zu nehmen, kann nicht verkehrt sein. 

Es lohnt, sich mit den humorigen Briefen aller zu befassen. Gleichwohl gebe ich  zu, dass mir Einsteins selbstironischer Brief vom 30. September 1920 am besten gefällt, weil er alles über diesen liebenswerten Menschen, was ihn so ungemein sympathisch machte, aussagt: 

"Liebes Fräulein Ney, von Elsa höre ich, dass Du nicht zufrieden bist, weil Du den Onkel Einstein nicht gesehen hast. Ich sage Dir daher wie ich aussehe. Bleiches Gesicht, lange Haare und eine Art bescheidenes Bäuchlein. Dazu einen eckigen Gang und eine Zigarre im Maul, wenn er eine hat, und einen Federhalter in der Tasche oder in der Hand. Krumme Beine und Warzen hat er aber nicht, ist also ganz hübsch, auch keine Haare an den Händen wie oft hässliche Männer. Also doch schade, dass Du mich nicht gesehen hast.
Sei herzlich gegrüßt 
Dein Onkel Einstein "

Das Buch enthält u.a. Briefe von Christian Morgenstern, Joachim Ringelnatz, Kurt Tucholsky, Karl Valentin, Hans Dieter Hüsch, Robert Gernhardt, Friedrich Dürrenmatt und Harry Rowohlt, von Menschen also, die per se unter dem Verdacht stehen,   Humor besessen zu haben bzw. zu besitzen. Aber es sind auch andere Briefeschreiber dabei, denen ich Humor nicht zugeordnet hätte. Das mag jedoch meiner Unkenntnis geschuldet sein, was  deren wahre Charaktere anbelangt.

Dann lese ich einen Brief und den Kurzlebenslauf von Hanns Dieter Hüsch, den ich in Anfang der 1980er Jahre mehrfach im Unterhaus in Mainz erlebte. Hüsch war nicht nur ein begnadeter Kabarettist, sondern auch ein genialer Sprachartist. Ich konnte mich an seiner Wortakrobatik  nicht satthören.

In der Charakterisierung hier im Buch liest man, dass es neben Wortgewalt die Wärme seines Witzes war, die ihn ausmachten. Genau so  empfand ich es auch.

Ein gelungener Band Sieben, einer tollen Serie, die dem Leser die Briefeschreiber sehr nahebringt.

Empfehlenswert.

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum teNeues-Verlag und können das Buch dort bestellen. http://www.teneues.com/shop-de/buecher/neue-produkte/briefe-bewegen-die-welt.html. Sie können es aber auch direkt beim Buchhändler um die Ecke ordern.

Rezension: '#Mascha_Kaléko „Liebst du mich eigentlich? – Briefe an ihren Mann“

Die Lyrikerin Mascha Kaléko ist die Tochter jüdischer Eltern aus Galizien. Bereits in sehr jungen Jahren in Berlin wurde sie in intellektuelle Kreise aufgenommen, die dort in Romanischen Cafés zusammen kamen. Sie hatte recht bald schon Erfolg. 

1938 emigrierte sie mit ihrem zweiten Mann Chemjo Vinaver und ihrem gemeinsamen Sohn in die USA und ließ sich später in Jerusalem nieder. 

Im vorliegenden Büchlein haben die beiden Kaléko- Kennerinnen Gisela Zoch-Westphal und Eva- Maria Prokop Briefe zusammengetragen, die Mascha Kaléko an Chemjo Vinaver schrieb. Die meisten dieser Briefe stammen aus dem Jahre 1956. Damals hielt sich die Lyrikerin erstmals wieder in Deutschland auf und bereiste ein Jahr lang Europa. 

Die Briefe dokumentieren die Seelenverwandtschaft und innige Liebe zu ihrem Mann, der übrigens Musikwissenschaftler war. Die zitierten Briefstellen stammen aus der vierbändigen Gesamtausgabe "Sämtliche Werke und Briefe", die Jutta Rosenbeerg herausgegeben hat und die 2012 im Deutschen Taschenbuch Verlag erschienen ist. 

Für Emigranten war es nicht einfach schnell wieder eine adäquate Arbeit zu finden. Es war die übliche Furcht vor Überfremdung, die überall dort auftritt, wo Flüchtlinge einen Neuanfang erhoffen und Alteingesessene um ihre Privilegien bangen. Ihre Exilgedichte brachten Kaléko zwar Erfolg aber kaum Geld. 

Da auch ihr Mann im Exil nur ein unregelmäßiges Einkommen hatte, stockten ihr gemeinsames Leben und ihre dichterische Produktion. Erst 1955 wurde es anders als Ernst Rowohlt mit seiner einstigen Erfolgslyrikerin Kontakt aufnahm, es zu einer Neuauflage ihrer Gedichte kam und sie nach Deutschland reiste.

Die Briefe an ihren Mann beinhalten einen detaillierten Bericht über Reisebekanntschaften, die Erfahrungen mit billigen Pensionen, den Preisen für Essen und Trinken, den Reisen per Bahn und Flugzeug gepaart mit kritischen Reflexionen über die deutsche Befindlichkeit in jenen Jahren.

Kaléko schreibt melancholisch-witzige Briefe und dokumentiert auch in diesen schriftlichen Zeugnissen ihre große Seele, die die Zeitläufte überstrahlt und immer wieder Anlass gibt, Texte von ihr auf sich wirken zu lassen.

Empfehlenswert.

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum Verlag und können das Buch bestellen: http://www.dtv.de/buecher/liebst_du_mich_eigentlich_28039.html. Sie können es aber auch bei ihrem Buchhändler um die Ecke erwerben.

Rezension – #Dorothea_Schlegel- Romantische Herzenskultur- #Briefe und Literatur- Herausgegeben von Nikolas Immer

Nikola Immer, der  Herausgeber dieses bemerkenswerten Buches hat eine sehr aufschlussreiche Einleitung verfasst, der man zunächst entnehmen kann, dass Dorothea Friederike Schlegel, geborene Brendel Mendelsohn 1764 als Tochter des jüdischen Philosophen Moses Mendelsohn in Berlin geboren wurde. Man erfährt, dass Dorothea zunächst mit dem Kaufmann und Bankier Simon Veit verheiratet war, doch durch das Salonleben ihrer Freundin Henriette Herz, an dem sie rege Anteil nahm, sich immer mehr von ihrem Mann distanzierte. 

Sie war fasziniert von der Intellektualität der Besucher des Salons. Zu diesen zählten u.a. Alexander und Wilhelm Humboldt, Jean Paul, Ludwig Börne, Friedrich Schleiermacher und auch der junge Friedrich Schlegel. Dorothea verliebte sich in ihn und ließ sich scheiden, um mit Friedrich zu leben. 

In Jena waren dann das Zusammenleben und die Zusammenarbeit mit Schlegel für sie bedeutsam. Mitte 1802 zog das Paar nach Paris, wo sie die Pariser Bildungsangebote nutzten. 1804 heiraten die beiden. Ab 1816 lebt das Ehepaar in Frankfurt, wo Schlegel als österreichischer Legationsrat am Deutschen Bundestag teilnahm. Dorothea Schlegel starb im Alter von 75 Jahren 1839 in Frankfurt.

Die berühmte  Romantikerin verfasst viele Briefe und auch Gedichte, zudem das Romanfragment "Florentin", sowie ein literarisches Gespräch über aktuelle französische Romane. 

Das vorliegende Buch enthält u.a. einige der Briefe, Tagebucheinträge, Gedichte, sowie das erste Kapitel des Fragments "Florentin". Die Texte hier zu analysieren, sprengt den Rahmen einer Rezension. Leider.

Wer sich ein Bild über die Romantik machen möchte, sollte sich in die Briefe und Gedichte vertiefen. Auch alle weiteren Texte sind sehr erhellend, nicht nur was das Denken und Fühlen Dorothea Schlegels anbelangt, sondern auch was das Lebensgefühl der Romantik betrifft. 

Empfehlenswert.

Helga König

Hier der Link zum Verlag, wenn Sie das Buch bestellen wollen http://www.verlagshaus-roemerweg.de/Weimarer_Verlagsgesellschaft/. Sie können es aber auch beim Buchhändler um die Ecke ordern. 

Rezension: #Schiller- Sämtliche Gedichte und Balladen- Wiedergefundene Rezension aus dem Jahre 2007

Allen gehört, was du denkst, dein eigen ist nur, was du fühlst (Schiller)

Diese Jubiläumsausgabe sämtlicher Gedichte und Balladen Schillers basiert auf dem Band 1 der Frankfurter Schillerausgabe im Deutschen Klassikverlag

Ich verzichte bei meiner Rezension bewusst auf langatmige theoretische Betrachtungen des sogenannten "Sturm und Drang" und der "Klassik", sondern möchte das Buch in erster Linie von den darin enthaltenen Versen her beschreiben, auf deren konkreten gedanklichen Inhalt es dem potentiellen Leser vermutlich primär ankommen wird.

Die Gedichte sind von ihrem Erscheinungsdatum her aufgelistet.

Die frühe Dichtung Schillers steht unter dem Einfluss Klopstocks. Sie ist pathetisch und spekulativ. Im späteren poetischen Werk des Dichters dominiert das philosophisch-reflexive Element.

Die meisten Balladen kennt man aus Schülerzeiten noch und darf sich an den Textinhalten erneut erfreuen oder sich auch darüber ärgern, wenn Schiller, nicht selten vermeintlich besserwisserisch und moralisierend, mit viel Pathos, wortgewaltig daher kommt und man unter einer Flut von Buchstaben zu ersticken glaubt.

Immer wieder habe ich nach überzeugender Poesie in Schillers Dichtung gesucht und mir dabei den Vergleich mit Goethe verboten. Jeder der beiden Meister sollte für sich stehen.

Nach wie vor bin ich begeistert von der Ballade "Die Kraniche des Ibycus", deren Inhalt von dramatischer Grundstruktur ist und deren Grundgedanke eine ethische Idee ist, die über die Balladenhandlung dem Leser nahe gebracht wird.

Die freie Übersetzung des zweiten Buchs der Aeneide "Die Zerstörung von Troja", lässt erkennen, dass Schiller zu Recht als Genie bezeichnet wird. Seine lyrischen Reflexionen "Das Ideal und das Leben" verstärken diesen Eindruck.

 Es folgen eine Reihe so genannter Votivtafeln. Dort hat mich die Sentenz 17 "Das eigne Ideal" / "Allen gehört, was Du denkst, dein eigen ist nur was du fühlest. Soll er dein Eigentum sein, fühle den Gott, den du denkst"/ besonders aufmerken und nachdenklich werden lassen.

Schillers Gedicht über die "Würde der Frauen" aber auch Passagen aus "Die Glocke" wurden in den literarischen Salons intellektueller Damen seiner Zeit, wie etwa Dorothea Schlegel, mit Skepsis betrachtet bzw. sogar verspottet

Einen wirklich lyrischen Schiller lernt man im Gedicht "Kassandra" kennen, aus dem ich zwei Verse zitiere

" Meine Blindheit gib mir wieder/ Und den fröhlich dunklen Sinn,/ nimmer sang`ich freud`ge Lieder,/ Seit ich deine Stimme bin./ Zukunft hast du mir gegeben,/Doch du nahmst den Augenblick,/Nahmst der Stunde fröhlich Leben,/Nimm dein falsch Geschenk zurück."/ ...und einige Verse danach: / " Fröhlich seh`ich die Gespielen,/ Alles um mich lebt und liebt/ In der Jugend Lustgefühlen,/ Mir nur ist das Herz getrübt./ Mir erscheint der Lenz vergebens,/ Der die Erde festlich schmückt,/ Wer erfreute sich des Lebens,/Der in seine Tiefen blickt!"/

Hier beschreibt sich Schiller meinens Erachtens offenbar selbst und man fängt an zu begreifen, versöhnt sich gar mit ihm, weil man jetzt endlich einen völlig neuen Zugang zu ihm hat.

Wenn er ihm Rahmen seiner "Laura-Gedichte " schließlich erklärt:

Deine Blicke - wenn sie Liebe lächeln,/ Könnten leben durch den Mamor fächeln,/ Felsenadern Pulse leih`n/ Träume werden um mich her zu Wesen/ Kann ich nur in Deinen Augen lesen: Laura, Laura, mein!/..... dann beginnt man schließlich zu erkennen, Schiller hätte durchaus auch eine Vielzahl lyrisch überzeugender Verse schreiben können, wenn er nicht die Grundauffassung gehabt hätte."Allen gehört, was du denkst, dein eigen ist nur, was du fühlst."

Jetzt kann man sich beruhigt seinen philosophischen Gedichten zuwenden , sich von der gedanklichen Vielfalt und Tiefe beeindrucken lassen und sich schließlich in "Das Verschleierte Bild zu Sais" vertiefen, wo der Dichter zum Ausdruck bringt, dass die Wahrheit nur verschleiert von Menschen ertragen werden könne

In seinem Gedicht "Die Götter Griechenlands" zeigt Schiller, dass er von der Schönheit und Sinnesfreudigkeit der griechischen Welt ergriffen ist und macht das Christentum für den Untergang der griechischen Welt verantwortlich.

Der Inhalt des gedanklich sehr abstrakten Gedichts "Die Künstler" verdeutlicht, dass letztlich nur die Kunst dem Menschen die in Schönheit gehüllte Wahrheit zugänglich machen könne. Nur durch Kunst werden die Naturkräfte und -triebe gesittigt, deshalb ist Kunst Anfang und Ende aller Kultur...

In seinem Gedicht "An die Freude" - jeder kennt es aus Beethovens 9. Symphonie - / Seid umschlungen Millionen!/ Dieser Kuss der ganzen Welt!/ "weist Schiller darauf eindringlich hin , dass die Liebe die Triebkraft der natürlichen wie der geistigen Welt verkörpert. Durch die Liebe treten die Geschöpfe aus der Vereinzelung heraus und kommen zum Bewußtsein des Ganzen, d.h. Gottes.

 Dieser Gedanke spiegelt sich auch in Schillers Hymne "Der Triumph der Liebe ", die mit dem Vers beginnt:

Selig durch die Liebe

Götter durch die Liebe

Menschen Göttern gleich!

Liebe macht den Himmel

Himmlischer- die Erde

Zu dem Himmelreich.

So ist in Schillers Augen das Paradies demnach noch nicht verloren. Der Schlüssel hierzu ist die Liebe, von der er sagt "Liebe du mächtige knüpfst den Olympus, die Erde zusammen."Diese Liebe spricht aus ihm, wenn er zu Laura sagt " Deine Seele gleicht der Spiegelwelle/ Silberklar und Sonnenhelle/... und an anderer Stelle/ Zwei Gestirn`, in Körper Körper wachsen,/ Mund an Mund gewurzelt brennt/ Wollustfunken aus den Augen regnen/ Seelen wie entbunden sich begegnen/ in des Atems Flammenwind."

Nach der Lektüre dieses Buches werden Sie vom lyrischen Schaffen Schillers begeistert sein und vielleicht noch eine Weile über eine seiner Sentenzen nachdenken:

Wahrheit: Eine nur ist für alle, doch siehet sie jeder verschieden,

Das es Eines doch bleibt, macht das verschiedene wahr.

Empfehlenswert.


Rezension: Zeigerloser Weg: 61 Haiku über Frauen

"Versteckte Seele,/ in Briefen behütet, zieht/ sie von Hand zu Hand" (Dagmar Tollwert) 

 Dieses bemerkenswerte Buch der Lyrikerin Dagmar Tollwerth enthält 61 Haikus über berühmte Frauen, dazu jeweils eine Tuschezeichnung der gerade mittels eines Haikus beschenkten Persönlichkeit und zudem auch immer ein Kurzportrait.

Die Westfälin Dagmar Tollwerth ist die Tochter einer portugiesischen Mutter und eines deutschen Vaters. Die Tuschzeichnungen stammen aus der Feder der koreanischen Kunststudentin Yun Nam.

Damit Sie einen Eindruck gewinnen, wem Tollwerth im Buch Ihre Haikus widmet, werde ich einige Persönlichkeiten hier nennen. Zuvor aber möchte ich kurz mitteilen, was man unter einem Haiku versteht.

Diesbezüglich zitiere zwei Sätze aus Wikipedea und verweise auf den entsprechenden Artikel "Haiku", wo Sie Näheres erfahren können: "Haiku ( jap 俳句, dt. "Schauspielergedicht"; Plural: Haiku, auch: Haikus) ist eine traditionelle japanische Gedichtform, die heute weltweit verbreitet ist. Das Haiku gilt als die kürzeste Gedichtform der Welt."

Die Textporträts sind ebenso vortrefflich gelungen wie die Tuschezeichnungen und die Haikus zeigen, dass die Lyrikerin in ihrem Metier eine Meisterin ist. Bevor ich einige Damen, wie angekündigt nenne, hier ein Haiku, das Bozena Nemcová, einer tschechischen Literatin gewidmet ist, die ich übrigens bislang noch nicht kannte.

 "Im tiefen Dunkel.
weist die Poesie den Weg
zu den schönen Stern."

Liest man die Kurzbiografie, so erkennt man den Zusammenhang zum Leben Nemcovás sofort.

Im Buch geht es um Persönlichkeiten wie Ricarda Huch, Camille Claudel, Käthe Kollwitz, Elke Lasker–Schüler, Franziska zu Reventlow, Mascha Kaléko, Sophie Scholl, Anne Frank... Sophie Scholls und Anne Franks Biographie kennen viele. Doch nicht nur deshalb hebe ich die beiden ihnen gewidmeten Haikus hervor. Diese Haikus möchte ich hier zitieren, weil sich in ihnen der Mut der beiden Frauen verdichtet und für jeden sensiblen Menschen spürbar wird.

Sophie Scholl, ermordet von den Nazis:
"Weißes Rosenblatt
Fällt in den Lichthof, ein Tag,
herrlich zum Gehen."

Die Jüdin Anne Frank, starb im Konzentrationslager Bergen-Belsen an Typhus
"Die Kastanie
Überdauert das Lächeln
Sie blüht Jahr für Jahr"

Alle Persönlichkeiten in diesem Buch sind unbeirrt ihren Weg gegangen und verdienen es deshalb mit Gedichten und Blumen geehrt zu werden. Schön, dass Dagmar Tollwerth sich dieser Aufgabe so vortrefflich gewidmet hat.

Empfehlenswert.

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