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Rezension: Gartenspaziergang mit Rilke-Gedichte-Thorbecke




Dieses wunderschön illustrierte Buch mit Zeichnungen und Fotografien von prachtvollen Gartenblumen und Schmetterlingen begeistert die Leser und Betrachter nicht nur dieser Motive wegen, sondern auch - oder besser vor allen Dingen - wegen der stimmungsvollen Gedichte und Auszüge aus Briefen des Poeten Rainer Maria Rilke.

Die Verse durchstreifen die Jahreszeiten, geben Einblick in die Traumwelt des Dichters, in der die Rose einen ganz besonderen Platz einnimmt. Doch nicht nur die Rose, die von alters her ein Symbol der Liebe ist, kommt in Rilkes Naturpoesie zur Sprache, - sie aber hauptsächlich - und man muss sofort an seine große Liebe denken, an Lou Andreas - Salomé,  eine Königin, was ihre Schönheit und ihren Geist betraf. Sie erbaute Rilkes Ideengarten. Sie war es, die diesen feinfühligen Sprachkünstler  wohl am meisten inspirierte.

Denn Gärten sind.- von Königinnen gebaut,
die eine kleine Zeit sich drin vergnügten

                     +++

Will Dir den Frühling zeigen
Der hundert Wunder hat.
Der Frühling ist waldeigen
Und kommt nicht in die Stadt

Nur die weit aus den kalten
Gassen zu Zwein gehen
Und sich bei den Händen halten
Dürfen ihn einmal sehn

Man glaubt Lou wissend lächeln zu sehen, während  sie diese Verse liest und sich erinnert.

Jeder, der den Frühling einer Liebe kennt, weiß aber:

Irgendwo blüht die Blume des Abschieds
Und streut immerfort Blütenstaub, den wir
atmen, herüber; auch noch im
kommendsten Wind atmen wir Abschied

Dies ist ein Buch, das man immer wieder gerne zu Hand nimmt, weil es den Frühling in uns zum Erklingen bringt. Rilke erweist sich auch in Gestalt eines Gartenspaziergängers als  Meister der Sprachmusik.

Sehr empfehlenswert

 Helga König

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PS: Die dick gedruckten Texte sind von Rainer Maria Rilke


Rezension: Reflexion-Angélique Duvier


Dies ist der neue Lyrik & Prosaband von #Angélique_Duvier. Die studierte Schauspielerin ist auf vielen deutschsprachigen Theaterbühnen und auch im Fernsehen präsent. Mit ihrem Ehemann, dem Pianisten #Vladyslav_Sendecki, lebt sie in Hamburg. 

Der Schwerpunkt ihres 4. Werkes liegt erneut auf den Gedichten. Dabei ist der Titel des Buches zugleich Titel eines der darin enthaltenen Gedichte, das ich zu Anfang meiner Rezension nicht ohne Grund zitieren möchte: 


Reflexion 
Uns wurde alles gegeben, 
doch wir glauben,
am Ende nichts zu haben, 
außer dem, was wir uns 
erarbeiteten, erflehten und 
vielleicht erstritten. 

In Wahrheit ist es so viel, 
denn alles, was wir geworden sind, 
was wir in uns gefunden haben, 
Selbsterkenntnis, Selbstliebe und 
natürlich Nächstenliebe, 
ist unsere Reflexion. 

Um ein solches Gedicht zu schreiben, muss man manche Tiefe durchlebt und dabei mit sich und dem eigenen Schicksal gehadert haben, bevor man offen für Weisheit, das Wesentliche erkennen kann, das, wofür wir geboren wurden: Erkenntnis und seelische Weiterentwicklung. 

Erst die Gnade der Erkenntnis setzt Transformationsprozesse in Gang, die durch das Schreiben reflektierter Lyrik natürlich beschleunigt werden können. 

Die naturverbundene Lyrikerin, lässt Träume zu und hat kein Problem damit, als emotional, ja vielleicht mitunter auch ein wenig pathetisch in ihren Gedichten zu gelten. Diese Art zu schreiben, macht sie unglaublich jung und die Leser, sofern sie einen Sinn für Romantik haben, mit ihr. 

Bei allem nagt der Zweifel nicht selten an ihr, wenn sie den Blick auf das Gestern richtet. War das alles notwendig? Diese Frage stellt man sich oft, bevor man erkennt, wie wichtig alles für unsere Persönlichkeitsentwicklung war. Nicht alles ist planbar. Vieles ist Schicksal, dem letztlich keiner entgehen kann, egal wie achtsam man ist. 

Angélique Duvier bewegt sich durch die Jahreszeiten, nimmt den Sommer, die Sonnentage, die Blumen, die Düfte in ihre Verse auf. Sie schreibt übrigens auch Haikus. So glaubt  man, sie im Winter am Fenster stehen zu sehen und nachdenklich in die Natur zu blicken, als ihr dieses Haiku in den Sinn kam. 

Unter Schnee und Eis
Warten die Blumenwurzeln 
Auf ihr Erwachen. 

Vieles, was die Lyrikerin zu Papier gebracht hat, kommt einem von der Gefühlslage her sehr bekannt vor und das gilt nicht nur für den Vers: 

Manche Augenblicke 
würde ich 
am liebsten
festhalten und 
in meinem Herzen 
versenken. 

Angélique Duvier dokumentiert in ihren Gedichten eine große Lebenserfahrung und lässt erkennen, dass sie niemals zu lieben aufgehört hat, bei aller Reflexion, die bei ihr nicht im Widerspruch zur Emotion steht. 

Zum Schluss möchte ich noch ein letztes Gedicht zitieren, das es mir besonders angetan hat: 

Gleicht unsere Seele 
   einem alten Haus 
voller wundersamer
          Zimmer, 
  deren Wände sich 
verschieben lassen? 
Wo es weder Türen 
noch Schranken gibt. 
  Wo Hoffnung sich 
   uneingeschränkt 
   verbreiten kann 
       und Liebe 
       die Räume 
mit strahlendem 
    Licht erhellt.


Für alle, die "Kitt für die Seele" nötig haben, eröffnet sich hier eine hilfreiche Fundgrube.

Maximal empfehlenswert.

Helga König 

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Rezension: Und die Seele wird wieder frei- #Herbert_Metzger / Photokunst: #Iris_Caren_von_Württemberg- Verlag Ch. Möllmann

Dieses Buch enthält Gedichte  der Reife des im November 2016 verstorbenen Lyrikers Herbert Metzger, die von abstrakter Photokunst seiner Tochter Iris Caren von Württemberg begleitet werden. 

Der 1924 geborene Autor war Zahnmediziner und führte seine Praxis bis 1989. Schriftsteller wollte Herbert Metzger allerdings schon immer werden, schätzte Philosophie, besuchte #Karl_Jaspers und schrieb sein gesamtes Leben hindurch täglich Gedichte, Prosa und Tagebuch. Seine #Lyrik und #Prosa zeichnen sich durch eine eigen-philosophische Bildsprache, tiefsinnige, ins Esoterische und Anthroposophische reichende Gedanken aus. Zahlreiche Texte von ihm wurden zwischen 1978 bis 2016 in Büchern, Zeitungen und Anthologien veröffentlicht. 

Die Künstlerin Iris Caren von Württemberg hat Kunstgeschichte und Literaturwissenschaften studiert und ist als freie Künstlerin und Lyrikerin tätig. Ihre Arbeiten waren in zahlreichen Ausstellungen bereits zu sehen und werden in Galerien vertreten. Die Abbildungen im vorliegenden Lyrikband stammen aus ihrer abstrakten #Fotokunstserie "#Barcelona_Spirit" von 2017 und geben das in  Außen-, wie auch Innenräume Wahrgenommene authentisch wieder, ohne digitale Nachbearbeitung. 

Nach einem Vorwort von Dr. med. Dietrich Weller hat die Schriftstellerin #Claire_Beyer sich zu Herbert Metzger geäußert. Sie hat ihn als Teilnehmer ihres Literaturkreises einst  kennengelernt und skizziert ihn als gütigen, zurückhaltenden Zeitgenossen mit Menschenliebe. Wie sie sich erinnert, wohnte seinen Texten, die er im Literturkreis vortrug, eine zarte Poesie inne, die wie ein Schmetterling über die Zuhörer hinwegflog. 

Es folgen im Anschluss  Claire Beyers Erinnerungen eine Reihe sehr feinsinniger Gedichte, die  dokumentieren, dass der Lyriker bereits einen beeindruckenden Transformationsprozess durchlebt haben musste, um  inhaltlich so überhaupt schreiben zu können.

Wahrlich weise ist nachstehendes Gedicht, das verdeutlicht wie sehr sich Herbert Metzger mit dem höheren Selbst auseinandergesetzt hat. 

"Wer andere verurteilt,
Ist noch nicht in 
seinem innersten 
Sein angekommen. 
       Wer 
Dort angekommen, 
verwandelt 
durch selbstlos
wirkende
Liebesarbeit.

Das Sein ist leicht 
In ihm zu wirken im 
sterblichen Bereich 
ist Schwerstarbeit.- 

Vertieft man sich in die einzelnen Gedichte, erlebt man einen sehr reflektierten Seelen-Menschen, der sich mit dem Jenseits auseinandersetzt, wissend, dass Räume durchschritten werden müssen, um in die geistige Welt zurückzukehren, aus der wir gekommen sind. 

Die Abstraktionen seiner Tochter Iris Caren harmonieren vortrefflich mit seinen Gedichten. Voller Zuversicht schreibt Herbert Metzger, dem Übergang in die Anderwelt schon nahe:

Im Klartext 

Geistige Welt- 
Von daher kommen wir
Nach dorthin gehen wir
Wir haben Bleibe
  In IHR 
wenn wir unsere 
Lebensproben 
im Hier 
bestanden haben--- 
ins Sinnsein 
des Überall-Seins. 

Sehr empfehlenswert 
Helga König 

Im Fachhandel erhältlich 

Onlinebestellung: Verlag Ch. Möllmann oder Amazon
Und die Seele wird wieder frei: Gedichte der Reife

Rezension: Zusammenspiel- Angélique Duvier

Angélique Duvier arbeitet als Schauspielerin, Sprecherin, Regisseurin. Am Theater war sie in vielen großen Rollen zu sehen und hat u.a. in der TV-Serie "Der große Bellheim" und "Der König von St. Pauli" mitgespielt. 2009 gründete sie gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Pianisten Vladyslav Sendecki das "Lyrik& Jazz Ensemble". Seit Mitte der 1980er Jahre schreibt Angélique Duvier Gedichte und Prosatexte und seit 2015 ist sie Mitglied der "Künstlergruppe 14 Zoll". In den Anthologien dieser Gruppe finden sich Texte von ihr. 

"Zusammenspiel" ist das dritte Buch, das ich von der Autorin auf "Buch, Kultur und Lifestyle" vorstelle. Bei den Texten  handelt es sich erneut schwerpunktmäßig um Lyrik, in die man sich wirklich vertiefen sollte, um Zugang zur Vielschichtigkeit des Innenlebens der Verfasserin zu erhalten.

Was sind Gedichte? Im Vorwort gibt es auf diese Frage eine sehr gute Antwort. Hier nämlich werden sie als Zeugen des Zeitgeistes definiert. Weiter erfährt man, dass sie auf die Leser durch ihre Sprache, ihre Sinnlichkeit, ihren Rhythmus und ihre eigenen Formen von Melodien wirken. Lyrik sei Befragung, leiser Protest, auch Befreiung und Beweisführung, liest man da. Anregen sollen sie zum Sinnieren, Innehalten und zu inneren Dialogen. Darüber hinaus sollen sie imstande sein, uns Trost und Mut zu schenken. All das klingt sehr vielversprechend und motiviert, sich mit der Lyrik von Angélique Duvier näher auseinander zu setzen, vielleicht auch zu erforschen, ob ihre Verse diesen Ansprüchen genügen. 

Die Lyrikerin versteht es, mit sehr fein gemalten Sprachbildern, ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Die Natur, vor allem Blumen, aber auch Musik sind ihr beim Schreiben stets gegenwärtig, aber wohl auch die Liebe und das Verliebtsein,  Gedanken, Träume, Reflektionen sowie anderes mehr. Aus all dem entnimmt sie unverkennbar ihre Inspirationen und schreibt, wenn Stimmungen es zulassen, fängt diese in  ihren Texten ein und lässt sie wirken, lässt sie ein Eigenleben entwickeln, mit dem sie die Leser für sich einnehmen. 

Wenn Angélique Duvier textet, - ihrer Naturverbundenheit gemäß in allen Jahreszeiten- , bleibt sie skeptisch, lässt sich nicht die Bodenhaftung nehmen durch Melancholie oder ein überbordendes Hoch, wird auch nicht trivial, sondern hält die Augen offen. 

Ihre Prosatexte (davon gibt es auch einige im Buch) korrespondieren mit ihrer Lyrik, lassen die kluge, erfahrene Beobachterin das Wort ergreifen, die sich in ihrem Gedicht "Gedankenbilder" outet. Sie sucht sich, in diesen Bildern. Es gibt Träume, die sie nicht ausgeträumt hat, allerdings sind diese irgendwohin verschwunden. Das geschieht mit Träumen oft, wie erfahrene Träumer wissen.

Leiser Protest aber auch Befreiung  sind dem Gedicht "Ich auch…Me Too" zu entnehmen und in dem kleinen Gedicht "Erkennen" steckt viel Lebenserfahrung. Schade, dass man als junger Mensch solche Warnungen rasch vergisst. 

Während man sich durch die Texte bewegt, erspürt man Angélique Duviers Sensibilität, die richtigen Worte zu setzen, den genauen Ton zu finden, erfreut sich an ihrer grenzenlose Liebe zur Natur, die sie vielleicht in einer romantischen Stimmung "Verträumtes" schreiben ließ:

Heute noch
träume ich,
von Blumen,
die immer blühen,
im Sommerlicht,
das nie vergeht
und nichts verbirgt

Doch gebe ich mich
meinen Träumen hin,
nur kurz, noch tief, 
muss ich hernach
den Sternenstaub
aus meinen Augen 
wischen.

Sehr empfehlenswert
Helga König

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ZUSAMMENSPIEL


Rezension: Melancholie eines Gauklers- Angélique Duvier

Angélique Duvier arbeitet als Schauspielerin, Sprecherin, Regisseurin. Am Theater war sie in vielen großen Rollen zu sehen und hat u.a. in der TV-Serie "Der große Bellheim" und "Der König von St. Pauli" mitgespielt. 2009 gründete sie gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Pianisten Vladyslav Sendecki das "Lyrik& Jazz Ensemble". Seit Mitte der 1980er Jahre schreibt Angélique Duvier  Gedichte und Prosatexte und seit 2015 ist sie Mitglied der "Künstlergruppe 14 Zoll". In den Anthologien dieser Gruppe finden sich Texte von ihr.

Das vorliegende Buch enthält Gedichte und Geschichten über das Leben im Hier und Jetzt. Dabei erzählt es von Sehnsüchten, Träumen, Illusionen, vom Glücklich- und Traurigsein, vom Theater, sozusagen dem Zuhause der Autorin.

Die Lyrik- und Prosatexte sind in Akte untergliedert. Hier gibt Angélique Duvier-  sehr mutig - viel von sich preis. Von ihrer Liebe zum Theater und zur Bühne erfährt man bereits in den ersten Versen. Neben Gedichten gibt es sehr spannend zu lesende anekdotische Prosatexte und Fotos von der Künstlerin, aber auch Naturfotos, denn sie ist, das zeigen viele ihrer Texte, überaus naturverbunden.

Feinsinnig beobachtet die Lyrikerin  die Veränderungen innerhalb der Jahreszeiten und hält fest "So werden Klang und Natur zur Mystik,/in der kalten ersten Jahreshälfte", um dann die Juli-Betrachtungen damit zu beginnen "Alles glitzert, leuchtet, glänzt…". Die Mystik der Farben also folgt der Mystik des Klangs.

Angélique Duviers Welt ist voller Gefühl. Dabei ist sie dem Guten verhaftet und zeigt ihren Kummer über das Böse, vor allem den Neid, ausdrucksstark in einigen ihrer Verse. 

Sie schreibt irgendwann "Meine Seele sucht den Fels, an dem die Flut verebbt". Dabei sehnt sie sich nach einem Ort, wo "die Erde gesund und aus Liebe gewebt". Dort gäbe es "überall Musik, bunte Blumen und schöne Düfte", aber auch viel Schatten und Licht, und seidenweiche Lüfte."

Ein naturverbundener Mensch sehnt sich stets nach dem Paradies, deshalb auch sind seine Tagträume "buntschimmernd". 

Angélique Duviers Prosatexte zeigen eine Frau, die voller Engagement ihrem Beruf nachgeht und respektvoll über Menschen spricht, die ihr in guter Erinnerung verblieben sind, so etwa ihre hochbetagte Schauspielerkollegin Erna Nitter, die im Alter von 94 Jahren noch auf der Bühne stand.

Das Leben hinterlässt oft schmerzliche Narben, weiß die hochsensible Angélique Duvier. Wem es an Sensibilität mangelt, der sieht und spürt diese Narben nicht, schiebt problemlos unliebsame Realitäten beiseite, lebt jedoch vielleicht unbeschwerter.

Was ihm allerdings entgeht, sind die Musik, die bunte Blumen und schöne Düfte im Paradiesgarten der Seele, all die Dinge, die dazu führen, dass ein Mensch eine strahlende Aura hat, um die er nicht selten beneidet wird.

Wie sehr dieser Paradiesgarten mit dem Universum verbunden ist, lässt Angélique Duvier in nachstehenden Zeilen erkennen.

Doch gebe ich mich 
meinen Träumen hin, 
nur kurz, doch tief, 
muss ich hernach 
den Sternenstaub 
aus meinen Augen 
wischen.

Empfehlenswert.

Helga König

Im Fachhandel erhältlich
Onlinebestellung bitte hier klicken: Amazon
Melancholie eines Gauklers: Gedichte und Geschichten

Rezension: Dramaturgie des Lebens- Gedichte Angélique Duvier

Die Autorin des vorliegenden Gedichtbands ist die Schauspielerin, Autorin und Regisseurin Angélique Duvier. Sie stand im Laufe ihres Theaterlebens als Ophelia (Hamlet), Viola (Was ihr wollt), Hero (Des Meeres und der Liebe Wellen), auch als Eurydike, Antigone und ihn vielen anderen Rollen auf der Bühne. Im Jahre 2009 gründete sie und ihr Ehemann, der Pianist Vladyslav Sendecki das "Lyrik @ Jazz Ensemble". Gemeinsam sind sie seither u.a. in Beijing/Peking in der Deutschen Botschaft aufgetreten, auch im Goethe Institut in Stockholm und an vielen Orten in Deutschland. 

Gedichte schreibt die Lyrikerin seit Mitte der 1980er Jahre. Dabei vertonte der Komponist Berthold Paul einige dieser Gedichte im Jahre 2002 bereits.  Zu erwähnen noch ist, dass Angélique Duvier Mitglied der "Künstlergruppe 14 Zoll" ist. 

Die Gedichte dieses Buches sind untergliedert in 
Naturgedichte & Jahreszeiten 
Liebesgedichte 
Phantasie-Gedichte 
Gedichte zum Nachdenken 
Seelenschmerz 
Ohne Zuordnung 
Trauer 
Kurzgedichte. 

Liest man die Gedichte, so fühlt man sich fast ein wenig in ein anderes Jahrhundert zurück versetzt, denn die meisten Verse mit sehr bildhafter Sprache reimen sich, allerdings ohne dadurch antiquiert zu wirken. 

Man sollte diesen Gedichtsband nicht wie einen Krimi in zwei schlaflosen Nächten durchschmökern, denn die einzelnen Gedichte verdienen es, dass man ihnen länger Beachtung schenkt und man auf diese Weise erspürt, in welcher Stimmung sie verfasst worden sind. Geht man mit allen Gedichten im Buch so vor, hat man am Ende eine Vorstellung vom Denken und Fühlen Angélique Duviers, natürlich auch von ihrem breitgefächerten Sprachvermögen und nicht zuletzt von ihrer sehr feinsinnigen Poesie. 

Ich möchte an dieser Stelle eines ihrer wunderschönen Liebesgedichte wiedergeben, um begreifbar zu machen, wie zeitlos diese Lyrik ist: 

Lebensmitte 
Du hast Blumen gepflückt 
und Wolken verschoben 
Mein Herz mir verrückt 
Es mit deinem verwoben. 
Hast oft still geschwiegen 
doch dann viel gelacht. 
Wolltest Sterne verschieben, 
machtest den Tag mir zur Nacht. 
Nun sitzt Du am Flügel 
und spielst nur für mich. 

Siehst mich im Spiegel 
unsere Augen spiegeln sich.
Dein Spiel lässt mich fliegen,
ich schwebe dahin,
so können wir lieben, 
unser Leben hat Sinn.
Wir bauen eine Hütte,
mehr brauchen wir nicht, 
stehen in der Lebensmitte 
und schauen ins Licht. 

Die später dann folgenden, nachdenklichen Gedichte, auch  jene, die sich unter dem Oberbegriff "Seelenschmerz" versammeln, lassen lange inne halten. Hier schreibt eine Lyrikerin, die viel gesehen und erlebt hat und immer wieder auch mit den Schattenseiten der Menschen konfrontiert wurde. Das hat gewiss zu ihrer Tiefe und Reifung beigetragen, die sich in  nicht wenigen ihrer Verse zeigen.

Eine schöne, dazu noch intelligente Frau erlebt früher oder später immer diesen "Seelenschmerz", weil  bestimmte Gaben diesen Preis leider haben und eine solche Frau stets von intriganten  Neidern umgeben ist.

Doch Angélique Duvier  hat eine wichtige Erfahrung gemacht:

Wer Gift versprüht 
aus lauter Habgier, 
Eigensucht und Neid, 
wird eines Tages 
am eigenen Gift
vergehen. 

Das ist der Preis, den jene zahlen, die "Seelenschmerz" verursachen.

Es ist schade, dass man nicht im Rahmen der Rezension auf all die Gedichte im Buch näher eingehen kann.

Eines der Kurzgedichte wirkt wie eine Botschaft an alle:

Kunst 
Lass deine Energie fließen, 
um deine schlummernden Talente 
erwachen zu lassen.

Würden doch alle dieser Botschaft Gehör schenken. Sie ist nämlich der Schlüssel dafür, dass keiner einem anderen mehr Seelenschmerz zufügt.

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: Leben Sie recht lieb. In Eile. Briefe von Goethes Geliebter und Ehefrau- Christiane Vulpius.

Die Herausgeberin der Briefe von Christiane Vulpius ist die Autorin Katharina Maier. Sie ist auch die Verfasserin der aufschlussreichen Einleitung. Hier berichtet sie zunächst Wissenswertes über Goethes langjährige Geliebte und späterer Ehefrau Christiane Vulpius. 

Mir gefällt, dass Katharina Maier die Einleitung mit einem Zitat von Karoline Jagemann beginnt. Diese war zu Zeiten Goethes eine gefeierte Schauspielerin in Weimar. Sie schreibt über Christiane: 

"In meiner Kindheit wohnte sie neben uns und war ein sehr hübsches, freundliches, fleißiges Mädchen; aus ihrem apfelrunden Gesicht blickten ein paar brennend schwarze Augen, ihr etwas aufgeworfener Mund zeigte, da sie gerne lachte, eine Reihe schöner weißer Zähne, und dunkelbraune Locken fielen ihr um Stirn und Nacken." 

Christiane Vulpius beeindruckte schon in jungen Jahren durch ihren Fleiß und die Tatsache, dass sie entgegen den Gepflogenheiten einer  damaligen Mittelschichtstochter sich zur Erwerbstätigkeit entschied, nachdem ihr Vater als Ernährer der Herkunftsfamilie ausgefallen war. 

Die Weimarer Gesellschaft war nicht besonders freundlich ihr gegenüber, als sie Goethes Geliebte wurde und empfand sie als nicht standesgemäß. Die bodenständige Weimarerin soll sinnlich gewesen sein. Sie arbeitete hart, trank und tanzte gerne, liebte Goethe und teilte dessen Interessen für das Theater und für Botantik. Christiane war allerdings keine Intellektuelle und sie war nicht von Adel. Das verzieh man ihr nicht. 

Goethe schätzte Christianes Lebenslust. Das ist eindeutig. 

Ihre Art Briefe zu schreiben, amüsiert vielleicht gerade deshalb, weil sie kreativ mit Worten umzugehen wusste, ohne dass sie jemals in der Schriftlichkeit zu Hause war. 

Die Briefe sind in fünf Kapitel untergliedert und machen deutlich, weshalb Goethe genau mit dieser Frau lange Jahre gemeinsam lebte. Sie war liebevoll, unkonventionell, fleißig, mutig und kurzweilig. All diese Eigenschaften sorgten für ein entspanntes Zusammenleben. Intellektualität fand Goethe anderswo. Das Zusammenleben mit einer Intellektuellen, das wusste der Hochbegabte gewiss, wäre zu anstrengend für ihn als Universalgenie gewesen.

Im 6. Kapitel hat Katharina Meier "Kluge, schöne und spritzige Worte" von Christiane Vulpius zusammengetragen. Diese und eine Vielzahl von Bildern vervollständigen den Eindruck im Hinblick auf die Frau, an die Goethe einst nicht grundlos schrieb ...lieber Engel, ich bin ganz Dein".

Sehr empfehlenswert.

Helga König

Das Buch ist überall im Handel erhältlich

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