Dieses Blog durchsuchen

Rezension: Zerrissene Träume- Buch 1 - Lyrik- 101 Gedichte-Angélique Duvier


Die Lyrikerin Angélique Duvier lebt in Hamburg. Sie studierte Schauspiel und ist auf zahlreichen deutschsprachigen Theaterbühnen als auch im Fernsehen zu sehen. Ihr neues Werk "Zerrissene Träume“ trägt den Untertitel "Aus dem Leben einer Schauspielerin" und enthält zwei Bücher. 

Im ersten Buch kann man sich in 101 neue Gedichte von ihr vertiefen. Das zweite Buch enthält einen Roman, dessen Inhalt sich mit der Übergriffigkeit und Machtbesessenheit eines hochgradig narzisstischen Regisseurs auseinandersetzt, unter dem nicht nur die Protagonistin Anna zu leiden hat. Die Rezension zum 2. Buch finden Sie  auf der Romanseite von "Buch, Kultur und Lifestyle."

Die neuen Gedichte Angélique Duviers unterscheiden sich von ihren bisherigen durch eine gewisse Traurigkeit, die dem Gestern und kürzer werdenden Morgen geschuldet sind, dem altersbedingten Abschiednehmen, das nicht nur in dem kleinen Prosatext "Alterungsprozess", der sich unter die Gedichte eingeschmuggelt hat, dem Leser als übergeordnetes Thema des 1. Buchs des Werks ins Auge springt. 

Es sind gefühlte Herbst- und Wintergedichte, die die melancholische Stimmung der Lyrikerin widerspiegeln. Sie ist empfindsam und entsprechend fallen ihre Gedichte aus. Doch Angélique Duvier schafft es, sich immer wieder der fatalen Alterslarmoyanz zu entziehen und dann nicht zuletzt sehr schöne Liebesgedichte zu verfassen, wie etwa dieses: 

"Denkanstöße"

"Du kamst aus dem Nebel,/ einfach so, aus dem Nichts, ich nenne es Schicksal./Wir reden miteinander, jeder in seiner Sprache, und doch verstehen wir uns./Zwischen uns liegt Magie,/ trotz schwieriger Wege,/liegen schweigende,/ unausgesprochene Zeichen/ der Hoffnung./ 

In unseren Träumen/ greifen wir nach den Sternen,/ wir berühren einander/ohne Berührung,/ Wir werden uns nie begegnen, doch jede Nacht lesen/wir voneinander./Wie zwei Bäume,/die nicht in die Höhe/ wachsen, doch ihre/ Wurzeln liegen tief/ miteinander verschlungen." 

Mein Lieblingsgedicht in diesem Buch, ist der Erkenntnis gewidmet. Es trägt den Titel

"Mitmenschlichkeit". 

"Umarme deine Lebenserfahrungen,/erkenne und liebe dich selbst,/ für deine Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe./Bewundere deine Fähigkeit,/selbstlos lieben zu können./Erfolg erreichst du vielleicht durch Schönheit,/Macht, Geld und Einfluss./ Doch-egal, ob du jung bist oder alt,/ wunderschön und wertvoll bist du,/ durch Mitgefühl, Verständnis und Hilfsbereitschaft,/ nur wenn du mit Herz und Seele emphatisch bist. "

Die Angst unsichtbar zu werden, die viele ergreift, ist eine Mär. Wer Wärme ausstrahlt, leuchtet bis zu seinem letzten Tag.(H.K.)


Maximal empfehlenswert. 

Helga König 

Onlinebestellung bitte hier klicken: Amazon

Rezension: Dasein- Angélique Duvier



Diese Publikation enthält Gedichte und Kurzgeschichten der Schauspielerin Angelique Duvier. Es ist das sechste Buch, das sie zwischenzeitlich auf den Weg gebracht hat. Die vorangegangenen Werke habe ich auf "Buch, Kultur und Lifestyle" vorgestellt und mit der Autorin diesbezüglich auch entsprechende Interviews realisieren können. 

Ihre Liebe zur Natur ist unverändert vorhanden und fließt in nicht wenige ihrer Verse ein. Doch es gibt daneben zahlreiche Gedichte, deren Thematik weniger naturbezogen ist, so etwa jenes mit dem Titel "Empathie", das ich an dieser Stelle nicht ohne Grund wiedergeben möchte: 

"Empathie" 
Empathie ist, wenn
dich das Leid anderer
          schmerzt. 
Wenn du den Hunger 
   der Hungernden
          spürst. 
Empathie ist, wenn 
   du in Not und 
     Verzweiflung 
der Kriegsopfer 
      fühlst. 
 Wenn dich 
Einsamkeit 
und Trauer 
leidender Menschen 
          berührt. 
Empathie ist auch, 
 wenn dich Freude
und Glück anderer
         neidlos 
glücklich macht. (S. 30) 

"Empathie ist auch, /wenn dich Freude und Glück anderer/neidlos /glücklich macht." Dieser Gedanke hat mir besonders gut gefallen. 

Sonderbar, dass vielen Menschen dies beim Anblick von Kindern, die beim Spiel Glück und Freude verströmen, problemlos gelingt und sie spontan zu lächeln oder zu lachen beginnen, sie jedoch selten das Glück anderer Erwachsener als glücklich machend erleben. 

Weshalb das so ist? 

Ich denke, es ist das ewige Vergleichen, das daran hindert, neidlos das Glück anderer mitzuempfinden und dies ist mehr als nur schade. 

Einem leidenden Menschen gegenüber Empathie zu empfinden, ist für viele gewiss einfacher als dem Glück eines starken, gesunden, glücklichen Menschen gegenüber. Aber wirklich empathisch ist ein Mensch, wenn er beides vermag und weil er nicht anders kann, es auch tut. 

Das Alter und die Vergänglichkeit werden von Angélique Duvier immer wieder gedanklich umkreist, sie geraten immer häufiger ins Blickfeld, je mehr Erinnerungen sich angesammelt haben. Machen sie ihr Angst`? Ich denke, nein. Sie geht stoisch damit um. Auch das muss man lernen.

Von Tränen ist die Rede, auch von Schmerz. Das Wechselspiel der Gefühle durchzieht das gesamte Buch. 

Herrlich jung und erfrischend offenbart sich in der sehr schönen und in vieler Hinsicht gelungenen Kurzgeschichte "Herzklopfen" wieviel Empathie wir empfinden können am Glück anderer, wenn wir offen dafür sind. 

Nicht jedes der Gedichte bleibt im Gedächtnis haften und berührt so intensiv wie etwa die Gedichte "Fragen" oder "In Dir".

Auch einige Haikus und Senryus von  Angélique Duvier lernt man kennen und erfährt am Ende des Buches, worin der Unterschied der beiden Gedichtformen besteht. 

Über Gerechtigkeit und Fairness denkt die Lyrikerin in ihren Versen auch immer wieder nach und bringt es schließlich in einem Senryu auf den Punkt; 

Unfair 
Die Ungerechten 
Verlangen ihre Rechte- 
Aber nur für sich. 

Und da ist da noch dieses wunderbare Gedicht mit dem Titel  "Zeitschleifen", das mit den Worten endet…"alles, was bleibt,/ ist ein vergilbtes Lächeln.". 

Wer das erkannt hat, lässt sich nicht mehr fortragen in die Vergangenheit, sondern erfreut sich der Frische eines jeden neuen Tags. Was uns leben lässt, ist nicht Last, nicht Vergangenes, sondern Zukunftsblumen, genährt  von dem, was Freude  schenkt. 

Maximal empfehlenswert 

Helga König

Onlinebestellung bitte hier klicken: Amazon

Rezension: Emotionen- Angélique Duvier


Dies ist der fünfte Gedichtband der Lyrikerin Angélique Duvier. Vielen ist die deutsche Schauspielerin aus Filmen wie "Der große Bellheim" bekannt, doch ihre Liebe gehörte dem Theater, wo sie in zahlreichen großen Rollen auf der Bühne stand, so etwa als Ophelia in "Hamlet", als Viola in "Was ihr wollt" als Grusche in "Der kaukasische Kreidekreis". Für die Rolle der Abigail in "Hexenjagd" wurde sie mit dem "Inthega-Preis" ausgezeichnet. Mit ihrem Ehemann, dem Pianisten Vladyslav Sendecki gründete die studierte Schauspielerin 2009 das "Lyrik& Jazz Ensemble". 

Im vorliegenden Buch möchte Angélique Duvier ihren Lesern ein weites Spektrum ihrer Empfindungen nahebringen und dies ist ihr auch hervorragend gelungen. 

Eines der Gedichte trägt den gleichen Titel wie das Buch, nämlich "Emotionen". 

Emotionen sind lt. Wikipedia psychophysische Bewegtheiten, die durch die bewusste oder unbewusste Wahrnehmung eines Ereignisses oder einer Situation ausgelöst werden.*  Genau darum geht es in den Gedichten. 

Nicht wenige ihrer Texte reflektieren traurige Gemütsbewegungen, andere befassen sich mit ihrer tiefen Liebe zur Natur. Längere Texte folgen kürzeren und umgekehrt. Manchmal ist ein Gedanken in nur wenige Zeilen gepackt, wie in diesem Vers: 

Selbstvertrauen 

Mich finden 
Und mir vertrauen 
an mich selbst glauben, 
um selbstbewusst 
aus dem Schatten 
der Irrtümer 
hervorzutreten. (S.151) 

Der Leser muss nicht wissen, welche Irrtümer es waren, die die Lyrikerin im Auge hat. Jeder kennt dieses Hervortreten aus einem Irrtum und nicht selten die damit einhergehende tiefe Verunsicherung, wenn die  eigene Wertschätzung in Frage gestellt wurde. Nach wie vor an sich zu glauben, ist wichtig, denn nur so bleibt man kreativ. 

Hier eine weitere Kostprobe:

Verbittere nicht

Du darfst nicht verbittern,
Salz ist Salz,
Aber Süßes
ist nicht immer Zucker, 
es kann auch gar bitter sein. 
(S. 182) 

Wann verbittert man? Wenn Unrecht nicht aufhört und man, ohnmächtig, nichts dagegen tun kann, es aber immer wieder versucht hat? 

Auf Seite 189 finde ich einen Text, in dem die Lyrikerin dazu auffordert, im Kern des Wesentlichen die Wahrheit zu finden, sie zu erkennen und auszusprechen. Meine Erfahrungen haben mich gelehrt, sehr zurückhaltend zu sein, wenn es um die Wahrheit geht, denn zumeist irren wir uns, fast immer ist es anders als es scheint und wenn wir meinen, den Punkt erwischt zu haben, löst er sich auf wie Frühnebel im Sommer. 

Emotionen sind selten von Dauer. Sie in Texten festzuhalten, verleiht ihnen Langlebigkeit. Emotionen, die Allgemeingültigkeit besitzen, schenken Gedichten das, was sie benötigen, um noch nach 100 Jahren gelesen zu werden, weil man auch dann noch eigene Bewegtheiten in ihnen gespiegelt sieht, wie vielleicht in diesem wundervollen Gedicht. 

Schwelbrand 

Ich sehne mich 
Nach einem Blick 
       in ehrliche 
Menschenseelen 
Wo finde ich sie? 

Nur noch in 
neugeborenen, reinen, 
unverdorbenen 
Kinderaugen, 
im unverstellten Tier? 

Ich möchte 
mich nie mehr 
Im Schmerze winden 
und verzehren, 
weil ein Lächeln 

und schmeichelhafte Worte 
unaufrichtig 
waren 

Diese  
Erkenntnis wie
ein Schwelbrand 
lodernd in mir brennt 
und sich zu einem
Steppenbrand 
auszubreiten droht.

*Emotion, Wikipedia

Maximal empfehlenswert 

Helga König

Onlinebestellung bitte hier klicken: Amazon

Rezension: Nach dem Gewitter Mücken- Christina von Bittner, Michael Krüger- Hirmer

Dieser Lyrikband ist mit Kunstwerken der Bildhauerin #Christina_von_Bittner illustriert. Die Gedichte stammen von #Michael_Krüger, der seit Mitte der 80er Jahre Verlagsleiter der Carl Hanser Literaturverlage und Herausgeber der Literaturzeitschrift Akzente war. Darüber hinaus stand er als Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste vor. Für sein literarisches Werk wurde er mehrfach ausgezeichnet. 

Christina von Bittner lebt und arbeitet in München. Sie war Meisterschülerin von #Lothar_Fischer und Mitarbeiterin und Mitarbeiterin im Tarot Garten bei Niki_de_Saint_Phalle. Mit ihren Arbeiten ist sie in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten. In 2020 hat sie für ihr Gesamtwerk ein Stipendium der Villa Concordia erhalten. 

Lothar Fischer, bei dem Christina von Büttner Meisterschülerin war schreibt: "Die Dinge oder Gegenstände, die Christina von Bittner als Motiv oder Anlass für ihre Arbeit braucht und die ihr Lust dazu machen, verwandeln sich absichtslos zu mehrdeutigen poetischen Gebilden durch das Machen… Kunstfiguren, die ihrer Ambivalenz weit über das intendierte Sujet hinausweisen…“

Michael Krügers Gedichte fokussieren inhaltlich unterschiedliche Orte. Die Inhalte korrespondieren in irgendeiner Form mit den beigefügten Bildern. …/"Und die Tannen sehen aus/wie ältere Lehrerinnen für Russisch und Mathematik. Auch morgen,/ Heißt es, soll es noch schneien."* 

Dieser Lyriker ist kein Heimatdichter, auch wenn mancher Titel eines seiner Gedichte dies vermuten lässt. "Es wäre in dieser Gegend unangemessen/ über das Gedächtnis des Ahorns nachzudenken,/ verjährte Blätter, verjährte Schritte, ich selber/schon jenseits der angemessenen Zeit/…**

Eines dieser schönen und dabei  oft tiefsinnigen Gedichte trägt den Titel "Heidsee". Bevor ich den Text lese, mache ich mich zunächst kundig, wo dieser See verortet ist. Im Kanton Graubünden in der Schweiz! Auf einem Foto auf Wikipedia erhalte ich einen visuellen Eindruck, dann erst lasse ich mich auf das Gedicht ein, dessen erste Zeilen wie folgt lauten: "Als würden die Berge niederknien,/um etwas von dem Schmelzwasser zu trinken,/Das jetzt überreich einsickert in den See./ Hier habe ich im Sommer Mummel gefunden,/ die Nixblume, und etwas höher die Hauhechel,/die man hier Weiberkrieg nennt,/… ***

Mummel? Ich denke spontan an den Mummelsee und möchte wissen, was es mit dem Begriff "Mummel" auf sich hat. Warum habe ich mir die Frage nicht früher gestellt? Es ist ein Synonym für die Seerose. Hat sie gelbe Blütenblätter, dann handelt es sich offenbar um eine Nixblume, während die Hauhechel ein rosafarbener Schmetterlingsblütler ist, der bei Herzschwäche helfen soll. 

Im Gedicht breiten sich eine Vielzahl von Blumen mit bedeutsamen Namen aus, selbst die "Hungerblümchen" werden nicht vergessen, die dann erblühen, wenn die Berge etwas von dem Schmelzwasser trinken möchten. 

Der Dichter lebt mit und in der Natur, das macht ihn sympathisch. "Ermüdung und Weltverleumdung“**** sind nichts für ihn,  "sondern etwas für Philosophen.“***** 

Mein Blick bleibt bei dem Titel "Ostermontag, Allmannshausen, mit Stendhal" hängen. "Einer, der sich am Mittag festhält/wird nicht älter, dem hält die Uhr still./…***** Diese Zeilen gefallen mir. Michael Krüger verweist in einer Gedichtszeile auf Bayle, gemeint ist vermutlich Henry Beyle, dessen Pseudonym "Stendhal" war. Man muss wohl ein Kenner von Stendhal sein, um zu wissen, in welcher Beziehung dieser nicht Recht hatte. In seinen Betrachtungen, was die Liebe anbelangt, etwa? 

Und wieder bleibe ich an einem Bild hängen, das einstimmt auf ein Gedicht, das mit den Zeilen beginnt "Verloren gegangen war die Musik,/die Töne kamen ohne sie heim,/ ungeordnet und einzeln./.."****** Das sind Zeilen voller Poesie, in die ich gerne eintauche, nicht nur in einer solchen "Sommernacht": "Es roch nach Thymian und nach Quitten als der Wind durchs Gras zog wie ein ambulanter Trödler"...*******

Maximal empfehlenswert 

Helga König

* aus: Tutzing, S22
**aus : Freimann, hinter den Häusern S.13
*** aus: Am Heidsee, S.67
**** aus: Murnau, S. 79
*****aus: Ostermonntag, Allmannshausen, mit Stendhal, S.90
****** aus: Gellertstraße, Seite 103
*******Eine Sommernacht, S. 113

Onlinebestellung: Bitte hier klicken Hirmer oder Amazon

Rezension: Gartenspaziergang mit Rilke-Gedichte-Thorbecke




Dieses wunderschön illustrierte Buch mit Zeichnungen und Fotografien von prachtvollen Gartenblumen und Schmetterlingen begeistert die Leser und Betrachter nicht nur dieser Motive wegen, sondern auch - oder besser vor allen Dingen - wegen der stimmungsvollen Gedichte und Auszüge aus Briefen des Poeten Rainer Maria Rilke.

Die Verse durchstreifen die Jahreszeiten, geben Einblick in die Traumwelt des Dichters, in der die Rose einen ganz besonderen Platz einnimmt. Doch nicht nur die Rose, die von alters her ein Symbol der Liebe ist, kommt in Rilkes Naturpoesie zur Sprache, - sie aber hauptsächlich - und man muss sofort an seine große Liebe denken, an Lou Andreas - Salomé,  eine Königin, was ihre Schönheit und ihren Geist betraf. Sie erbaute Rilkes Ideengarten. Sie war es, die diesen feinfühligen Sprachkünstler  wohl am meisten inspirierte.

Denn Gärten sind.- von Königinnen gebaut,
die eine kleine Zeit sich drin vergnügten

                     +++

Will Dir den Frühling zeigen
Der hundert Wunder hat.
Der Frühling ist waldeigen
Und kommt nicht in die Stadt

Nur die weit aus den kalten
Gassen zu Zwein gehen
Und sich bei den Händen halten
Dürfen ihn einmal sehn

Man glaubt Lou wissend lächeln zu sehen, während  sie diese Verse liest und sich erinnert.

Jeder, der den Frühling einer Liebe kennt, weiß aber:

Irgendwo blüht die Blume des Abschieds
Und streut immerfort Blütenstaub, den wir
atmen, herüber; auch noch im
kommendsten Wind atmen wir Abschied

Dies ist ein Buch, das man immer wieder gerne zu Hand nimmt, weil es den Frühling in uns zum Erklingen bringt. Rilke erweist sich auch in Gestalt eines Gartenspaziergängers als  Meister der Sprachmusik.

Sehr empfehlenswert

 Helga König

Onlinebestellung bitte hier klicken: Thorbecke  oder Amazon

PS: Die dick gedruckten Texte sind von Rainer Maria Rilke


Rezension: Reflexion-Angélique Duvier


Dies ist der neue Lyrik & Prosaband von #Angélique_Duvier. Die studierte Schauspielerin ist auf vielen deutschsprachigen Theaterbühnen und auch im Fernsehen präsent. Mit ihrem Ehemann, dem Pianisten #Vladyslav_Sendecki, lebt sie in Hamburg. 

Der Schwerpunkt ihres 4. Werkes liegt erneut auf den Gedichten. Dabei ist der Titel des Buches zugleich Titel eines der darin enthaltenen Gedichte, das ich zu Anfang meiner Rezension nicht ohne Grund zitieren möchte: 


Reflexion 
Uns wurde alles gegeben, 
doch wir glauben,
am Ende nichts zu haben, 
außer dem, was wir uns 
erarbeiteten, erflehten und 
vielleicht erstritten. 

In Wahrheit ist es so viel, 
denn alles, was wir geworden sind, 
was wir in uns gefunden haben, 
Selbsterkenntnis, Selbstliebe und 
natürlich Nächstenliebe, 
ist unsere Reflexion. 

Um ein solches Gedicht zu schreiben, muss man manche Tiefe durchlebt und dabei mit sich und dem eigenen Schicksal gehadert haben, bevor man offen für Weisheit, das Wesentliche erkennen kann, das, wofür wir geboren wurden: Erkenntnis und seelische Weiterentwicklung. 

Erst die Gnade der Erkenntnis setzt Transformationsprozesse in Gang, die durch das Schreiben reflektierter Lyrik natürlich beschleunigt werden können. 

Die naturverbundene Lyrikerin, lässt Träume zu und hat kein Problem damit, als emotional, ja vielleicht mitunter auch ein wenig pathetisch in ihren Gedichten zu gelten. Diese Art zu schreiben, macht sie unglaublich jung und die Leser, sofern sie einen Sinn für Romantik haben, mit ihr. 

Bei allem nagt der Zweifel nicht selten an ihr, wenn sie den Blick auf das Gestern richtet. War das alles notwendig? Diese Frage stellt man sich oft, bevor man erkennt, wie wichtig alles für unsere Persönlichkeitsentwicklung war. Nicht alles ist planbar. Vieles ist Schicksal, dem letztlich keiner entgehen kann, egal wie achtsam man ist. 

Angélique Duvier bewegt sich durch die Jahreszeiten, nimmt den Sommer, die Sonnentage, die Blumen, die Düfte in ihre Verse auf. Sie schreibt übrigens auch Haikus. So glaubt  man, sie im Winter am Fenster stehen zu sehen und nachdenklich in die Natur zu blicken, als ihr dieses Haiku in den Sinn kam. 

Unter Schnee und Eis
Warten die Blumenwurzeln 
Auf ihr Erwachen. 

Vieles, was die Lyrikerin zu Papier gebracht hat, kommt einem von der Gefühlslage her sehr bekannt vor und das gilt nicht nur für den Vers: 

Manche Augenblicke 
würde ich 
am liebsten
festhalten und 
in meinem Herzen 
versenken. 

Angélique Duvier dokumentiert in ihren Gedichten eine große Lebenserfahrung und lässt erkennen, dass sie niemals zu lieben aufgehört hat, bei aller Reflexion, die bei ihr nicht im Widerspruch zur Emotion steht. 

Zum Schluss möchte ich noch ein letztes Gedicht zitieren, das es mir besonders angetan hat: 

Gleicht unsere Seele 
   einem alten Haus 
voller wundersamer
          Zimmer, 
  deren Wände sich 
verschieben lassen? 
Wo es weder Türen 
noch Schranken gibt. 
  Wo Hoffnung sich 
   uneingeschränkt 
   verbreiten kann 
       und Liebe 
       die Räume 
mit strahlendem 
    Licht erhellt.


Für alle, die "Kitt für die Seele" nötig haben, eröffnet sich hier eine hilfreiche Fundgrube.

Maximal empfehlenswert.

Helga König 

Onlinebestellung bitte hier klicken: Amazon

Rezension: Und die Seele wird wieder frei- #Herbert_Metzger / Photokunst: #Iris_Caren_von_Württemberg- Verlag Ch. Möllmann

Dieses Buch enthält Gedichte  der Reife des im November 2016 verstorbenen Lyrikers Herbert Metzger, die von abstrakter Photokunst seiner Tochter Iris Caren von Württemberg begleitet werden. 

Der 1924 geborene Autor war Zahnmediziner und führte seine Praxis bis 1989. Schriftsteller wollte Herbert Metzger allerdings schon immer werden, schätzte Philosophie, besuchte #Karl_Jaspers und schrieb sein gesamtes Leben hindurch täglich Gedichte, Prosa und Tagebuch. Seine #Lyrik und #Prosa zeichnen sich durch eine eigen-philosophische Bildsprache, tiefsinnige, ins Esoterische und Anthroposophische reichende Gedanken aus. Zahlreiche Texte von ihm wurden zwischen 1978 bis 2016 in Büchern, Zeitungen und Anthologien veröffentlicht. 

Die Künstlerin Iris Caren von Württemberg hat Kunstgeschichte und Literaturwissenschaften studiert und ist als freie Künstlerin und Lyrikerin tätig. Ihre Arbeiten waren in zahlreichen Ausstellungen bereits zu sehen und werden in Galerien vertreten. Die Abbildungen im vorliegenden Lyrikband stammen aus ihrer abstrakten #Fotokunstserie "#Barcelona_Spirit" von 2017 und geben das in  Außen-, wie auch Innenräume Wahrgenommene authentisch wieder, ohne digitale Nachbearbeitung. 

Nach einem Vorwort von Dr. med. Dietrich Weller hat die Schriftstellerin #Claire_Beyer sich zu Herbert Metzger geäußert. Sie hat ihn als Teilnehmer ihres Literaturkreises einst  kennengelernt und skizziert ihn als gütigen, zurückhaltenden Zeitgenossen mit Menschenliebe. Wie sie sich erinnert, wohnte seinen Texten, die er im Literturkreis vortrug, eine zarte Poesie inne, die wie ein Schmetterling über die Zuhörer hinwegflog. 

Es folgen im Anschluss  Claire Beyers Erinnerungen eine Reihe sehr feinsinniger Gedichte, die  dokumentieren, dass der Lyriker bereits einen beeindruckenden Transformationsprozess durchlebt haben musste, um  inhaltlich so überhaupt schreiben zu können.

Wahrlich weise ist nachstehendes Gedicht, das verdeutlicht wie sehr sich Herbert Metzger mit dem höheren Selbst auseinandergesetzt hat. 

"Wer andere verurteilt,
Ist noch nicht in 
seinem innersten 
Sein angekommen. 
       Wer 
Dort angekommen, 
verwandelt 
durch selbstlos
wirkende
Liebesarbeit.

Das Sein ist leicht 
In ihm zu wirken im 
sterblichen Bereich 
ist Schwerstarbeit.- 

Vertieft man sich in die einzelnen Gedichte, erlebt man einen sehr reflektierten Seelen-Menschen, der sich mit dem Jenseits auseinandersetzt, wissend, dass Räume durchschritten werden müssen, um in die geistige Welt zurückzukehren, aus der wir gekommen sind. 

Die Abstraktionen seiner Tochter Iris Caren harmonieren vortrefflich mit seinen Gedichten. Voller Zuversicht schreibt Herbert Metzger, dem Übergang in die Anderwelt schon nahe:

Im Klartext 

Geistige Welt- 
Von daher kommen wir
Nach dorthin gehen wir
Wir haben Bleibe
  In IHR 
wenn wir unsere 
Lebensproben 
im Hier 
bestanden haben--- 
ins Sinnsein 
des Überall-Seins. 

Sehr empfehlenswert 
Helga König 

Im Fachhandel erhältlich 

Onlinebestellung: Verlag Ch. Möllmann oder Amazon
Und die Seele wird wieder frei: Gedichte der Reife

Rezension: Zusammenspiel- Angélique Duvier

Angélique Duvier arbeitet als Schauspielerin, Sprecherin, Regisseurin. Am Theater war sie in vielen großen Rollen zu sehen und hat u.a. in der TV-Serie "Der große Bellheim" und "Der König von St. Pauli" mitgespielt. 2009 gründete sie gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Pianisten Vladyslav Sendecki das "Lyrik& Jazz Ensemble". Seit Mitte der 1980er Jahre schreibt Angélique Duvier Gedichte und Prosatexte und seit 2015 ist sie Mitglied der "Künstlergruppe 14 Zoll". In den Anthologien dieser Gruppe finden sich Texte von ihr. 

"Zusammenspiel" ist das dritte Buch, das ich von der Autorin auf "Buch, Kultur und Lifestyle" vorstelle. Bei den Texten  handelt es sich erneut schwerpunktmäßig um Lyrik, in die man sich wirklich vertiefen sollte, um Zugang zur Vielschichtigkeit des Innenlebens der Verfasserin zu erhalten.

Was sind Gedichte? Im Vorwort gibt es auf diese Frage eine sehr gute Antwort. Hier nämlich werden sie als Zeugen des Zeitgeistes definiert. Weiter erfährt man, dass sie auf die Leser durch ihre Sprache, ihre Sinnlichkeit, ihren Rhythmus und ihre eigenen Formen von Melodien wirken. Lyrik sei Befragung, leiser Protest, auch Befreiung und Beweisführung, liest man da. Anregen sollen sie zum Sinnieren, Innehalten und zu inneren Dialogen. Darüber hinaus sollen sie imstande sein, uns Trost und Mut zu schenken. All das klingt sehr vielversprechend und motiviert, sich mit der Lyrik von Angélique Duvier näher auseinander zu setzen, vielleicht auch zu erforschen, ob ihre Verse diesen Ansprüchen genügen. 

Die Lyrikerin versteht es, mit sehr fein gemalten Sprachbildern, ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Die Natur, vor allem Blumen, aber auch Musik sind ihr beim Schreiben stets gegenwärtig, aber wohl auch die Liebe und das Verliebtsein,  Gedanken, Träume, Reflektionen sowie anderes mehr. Aus all dem entnimmt sie unverkennbar ihre Inspirationen und schreibt, wenn Stimmungen es zulassen, fängt diese in  ihren Texten ein und lässt sie wirken, lässt sie ein Eigenleben entwickeln, mit dem sie die Leser für sich einnehmen. 

Wenn Angélique Duvier textet, - ihrer Naturverbundenheit gemäß in allen Jahreszeiten- , bleibt sie skeptisch, lässt sich nicht die Bodenhaftung nehmen durch Melancholie oder ein überbordendes Hoch, wird auch nicht trivial, sondern hält die Augen offen. 

Ihre Prosatexte (davon gibt es auch einige im Buch) korrespondieren mit ihrer Lyrik, lassen die kluge, erfahrene Beobachterin das Wort ergreifen, die sich in ihrem Gedicht "Gedankenbilder" outet. Sie sucht sich, in diesen Bildern. Es gibt Träume, die sie nicht ausgeträumt hat, allerdings sind diese irgendwohin verschwunden. Das geschieht mit Träumen oft, wie erfahrene Träumer wissen.

Leiser Protest aber auch Befreiung  sind dem Gedicht "Ich auch…Me Too" zu entnehmen und in dem kleinen Gedicht "Erkennen" steckt viel Lebenserfahrung. Schade, dass man als junger Mensch solche Warnungen rasch vergisst. 

Während man sich durch die Texte bewegt, erspürt man Angélique Duviers Sensibilität, die richtigen Worte zu setzen, den genauen Ton zu finden, erfreut sich an ihrer grenzenlose Liebe zur Natur, die sie vielleicht in einer romantischen Stimmung "Verträumtes" schreiben ließ:

Heute noch
träume ich,
von Blumen,
die immer blühen,
im Sommerlicht,
das nie vergeht
und nichts verbirgt

Doch gebe ich mich
meinen Träumen hin,
nur kurz, noch tief, 
muss ich hernach
den Sternenstaub
aus meinen Augen 
wischen.

Sehr empfehlenswert
Helga König

Onlinebestellung Bitte hier klicken: Amazon
ZUSAMMENSPIEL


Rezension: Melancholie eines Gauklers- Angélique Duvier

Angélique Duvier arbeitet als Schauspielerin, Sprecherin, Regisseurin. Am Theater war sie in vielen großen Rollen zu sehen und hat u.a. in der TV-Serie "Der große Bellheim" und "Der König von St. Pauli" mitgespielt. 2009 gründete sie gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Pianisten Vladyslav Sendecki das "Lyrik& Jazz Ensemble". Seit Mitte der 1980er Jahre schreibt Angélique Duvier  Gedichte und Prosatexte und seit 2015 ist sie Mitglied der "Künstlergruppe 14 Zoll". In den Anthologien dieser Gruppe finden sich Texte von ihr.

Das vorliegende Buch enthält Gedichte und Geschichten über das Leben im Hier und Jetzt. Dabei erzählt es von Sehnsüchten, Träumen, Illusionen, vom Glücklich- und Traurigsein, vom Theater, sozusagen dem Zuhause der Autorin.

Die Lyrik- und Prosatexte sind in Akte untergliedert. Hier gibt Angélique Duvier-  sehr mutig - viel von sich preis. Von ihrer Liebe zum Theater und zur Bühne erfährt man bereits in den ersten Versen. Neben Gedichten gibt es sehr spannend zu lesende anekdotische Prosatexte und Fotos von der Künstlerin, aber auch Naturfotos, denn sie ist, das zeigen viele ihrer Texte, überaus naturverbunden.

Feinsinnig beobachtet die Lyrikerin  die Veränderungen innerhalb der Jahreszeiten und hält fest "So werden Klang und Natur zur Mystik,/in der kalten ersten Jahreshälfte", um dann die Juli-Betrachtungen damit zu beginnen "Alles glitzert, leuchtet, glänzt…". Die Mystik der Farben also folgt der Mystik des Klangs.

Angélique Duviers Welt ist voller Gefühl. Dabei ist sie dem Guten verhaftet und zeigt ihren Kummer über das Böse, vor allem den Neid, ausdrucksstark in einigen ihrer Verse. 

Sie schreibt irgendwann "Meine Seele sucht den Fels, an dem die Flut verebbt". Dabei sehnt sie sich nach einem Ort, wo "die Erde gesund und aus Liebe gewebt". Dort gäbe es "überall Musik, bunte Blumen und schöne Düfte", aber auch viel Schatten und Licht, und seidenweiche Lüfte."

Ein naturverbundener Mensch sehnt sich stets nach dem Paradies, deshalb auch sind seine Tagträume "buntschimmernd". 

Angélique Duviers Prosatexte zeigen eine Frau, die voller Engagement ihrem Beruf nachgeht und respektvoll über Menschen spricht, die ihr in guter Erinnerung verblieben sind, so etwa ihre hochbetagte Schauspielerkollegin Erna Nitter, die im Alter von 94 Jahren noch auf der Bühne stand.

Das Leben hinterlässt oft schmerzliche Narben, weiß die hochsensible Angélique Duvier. Wem es an Sensibilität mangelt, der sieht und spürt diese Narben nicht, schiebt problemlos unliebsame Realitäten beiseite, lebt jedoch vielleicht unbeschwerter.

Was ihm allerdings entgeht, sind die Musik, die bunte Blumen und schöne Düfte im Paradiesgarten der Seele, all die Dinge, die dazu führen, dass ein Mensch eine strahlende Aura hat, um die er nicht selten beneidet wird.

Wie sehr dieser Paradiesgarten mit dem Universum verbunden ist, lässt Angélique Duvier in nachstehenden Zeilen erkennen.

Doch gebe ich mich 
meinen Träumen hin, 
nur kurz, doch tief, 
muss ich hernach 
den Sternenstaub 
aus meinen Augen 
wischen.

Empfehlenswert.

Helga König

Im Fachhandel erhältlich
Onlinebestellung bitte hier klicken: Amazon
Melancholie eines Gauklers: Gedichte und Geschichten

Rezension: Dramaturgie des Lebens- Gedichte Angélique Duvier

Die Autorin des vorliegenden Gedichtbands ist die Schauspielerin, Autorin und Regisseurin Angélique Duvier. Sie stand im Laufe ihres Theaterlebens als Ophelia (Hamlet), Viola (Was ihr wollt), Hero (Des Meeres und der Liebe Wellen), auch als Eurydike, Antigone und ihn vielen anderen Rollen auf der Bühne. Im Jahre 2009 gründete sie und ihr Ehemann, der Pianist Vladyslav Sendecki das "Lyrik @ Jazz Ensemble". Gemeinsam sind sie seither u.a. in Beijing/Peking in der Deutschen Botschaft aufgetreten, auch im Goethe Institut in Stockholm und an vielen Orten in Deutschland. 

Gedichte schreibt die Lyrikerin seit Mitte der 1980er Jahre. Dabei vertonte der Komponist Berthold Paul einige dieser Gedichte im Jahre 2002 bereits.  Zu erwähnen noch ist, dass Angélique Duvier Mitglied der "Künstlergruppe 14 Zoll" ist. 

Die Gedichte dieses Buches sind untergliedert in 
Naturgedichte & Jahreszeiten 
Liebesgedichte 
Phantasie-Gedichte 
Gedichte zum Nachdenken 
Seelenschmerz 
Ohne Zuordnung 
Trauer 
Kurzgedichte. 

Liest man die Gedichte, so fühlt man sich fast ein wenig in ein anderes Jahrhundert zurück versetzt, denn die meisten Verse mit sehr bildhafter Sprache reimen sich, allerdings ohne dadurch antiquiert zu wirken. 

Man sollte diesen Gedichtsband nicht wie einen Krimi in zwei schlaflosen Nächten durchschmökern, denn die einzelnen Gedichte verdienen es, dass man ihnen länger Beachtung schenkt und man auf diese Weise erspürt, in welcher Stimmung sie verfasst worden sind. Geht man mit allen Gedichten im Buch so vor, hat man am Ende eine Vorstellung vom Denken und Fühlen Angélique Duviers, natürlich auch von ihrem breitgefächerten Sprachvermögen und nicht zuletzt von ihrer sehr feinsinnigen Poesie. 

Ich möchte an dieser Stelle eines ihrer wunderschönen Liebesgedichte wiedergeben, um begreifbar zu machen, wie zeitlos diese Lyrik ist: 

Lebensmitte 
Du hast Blumen gepflückt 
und Wolken verschoben 
Mein Herz mir verrückt 
Es mit deinem verwoben. 
Hast oft still geschwiegen 
doch dann viel gelacht. 
Wolltest Sterne verschieben, 
machtest den Tag mir zur Nacht. 
Nun sitzt Du am Flügel 
und spielst nur für mich. 

Siehst mich im Spiegel 
unsere Augen spiegeln sich.
Dein Spiel lässt mich fliegen,
ich schwebe dahin,
so können wir lieben, 
unser Leben hat Sinn.
Wir bauen eine Hütte,
mehr brauchen wir nicht, 
stehen in der Lebensmitte 
und schauen ins Licht. 

Die später dann folgenden, nachdenklichen Gedichte, auch  jene, die sich unter dem Oberbegriff "Seelenschmerz" versammeln, lassen lange inne halten. Hier schreibt eine Lyrikerin, die viel gesehen und erlebt hat und immer wieder auch mit den Schattenseiten der Menschen konfrontiert wurde. Das hat gewiss zu ihrer Tiefe und Reifung beigetragen, die sich in  nicht wenigen ihrer Verse zeigen.

Eine schöne, dazu noch intelligente Frau erlebt früher oder später immer diesen "Seelenschmerz", weil  bestimmte Gaben diesen Preis leider haben und eine solche Frau stets von intriganten  Neidern umgeben ist.

Doch Angélique Duvier  hat eine wichtige Erfahrung gemacht:

Wer Gift versprüht 
aus lauter Habgier, 
Eigensucht und Neid, 
wird eines Tages 
am eigenen Gift
vergehen. 

Das ist der Preis, den jene zahlen, die "Seelenschmerz" verursachen.

Es ist schade, dass man nicht im Rahmen der Rezension auf all die Gedichte im Buch näher eingehen kann.

Eines der Kurzgedichte wirkt wie eine Botschaft an alle:

Kunst 
Lass deine Energie fließen, 
um deine schlummernden Talente 
erwachen zu lassen.

Würden doch alle dieser Botschaft Gehör schenken. Sie ist nämlich der Schlüssel dafür, dass keiner einem anderen mehr Seelenschmerz zufügt.

Sehr empfehlenswert 

Helga König

Onlinebestellung: Amazon

Rezension: Leben Sie recht lieb. In Eile. Briefe von Goethes Geliebter und Ehefrau- Christiane Vulpius.

Die Herausgeberin der Briefe von Christiane Vulpius ist die Autorin Katharina Maier. Sie ist auch die Verfasserin der aufschlussreichen Einleitung. Hier berichtet sie zunächst Wissenswertes über Goethes langjährige Geliebte und späterer Ehefrau Christiane Vulpius. 

Mir gefällt, dass Katharina Maier die Einleitung mit einem Zitat von Karoline Jagemann beginnt. Diese war zu Zeiten Goethes eine gefeierte Schauspielerin in Weimar. Sie schreibt über Christiane: 

"In meiner Kindheit wohnte sie neben uns und war ein sehr hübsches, freundliches, fleißiges Mädchen; aus ihrem apfelrunden Gesicht blickten ein paar brennend schwarze Augen, ihr etwas aufgeworfener Mund zeigte, da sie gerne lachte, eine Reihe schöner weißer Zähne, und dunkelbraune Locken fielen ihr um Stirn und Nacken." 

Christiane Vulpius beeindruckte schon in jungen Jahren durch ihren Fleiß und die Tatsache, dass sie entgegen den Gepflogenheiten einer  damaligen Mittelschichtstochter sich zur Erwerbstätigkeit entschied, nachdem ihr Vater als Ernährer der Herkunftsfamilie ausgefallen war. 

Die Weimarer Gesellschaft war nicht besonders freundlich ihr gegenüber, als sie Goethes Geliebte wurde und empfand sie als nicht standesgemäß. Die bodenständige Weimarerin soll sinnlich gewesen sein. Sie arbeitete hart, trank und tanzte gerne, liebte Goethe und teilte dessen Interessen für das Theater und für Botantik. Christiane war allerdings keine Intellektuelle und sie war nicht von Adel. Das verzieh man ihr nicht. 

Goethe schätzte Christianes Lebenslust. Das ist eindeutig. 

Ihre Art Briefe zu schreiben, amüsiert vielleicht gerade deshalb, weil sie kreativ mit Worten umzugehen wusste, ohne dass sie jemals in der Schriftlichkeit zu Hause war. 

Die Briefe sind in fünf Kapitel untergliedert und machen deutlich, weshalb Goethe genau mit dieser Frau lange Jahre gemeinsam lebte. Sie war liebevoll, unkonventionell, fleißig, mutig und kurzweilig. All diese Eigenschaften sorgten für ein entspanntes Zusammenleben. Intellektualität fand Goethe anderswo. Das Zusammenleben mit einer Intellektuellen, das wusste der Hochbegabte gewiss, wäre zu anstrengend für ihn als Universalgenie gewesen.

Im 6. Kapitel hat Katharina Meier "Kluge, schöne und spritzige Worte" von Christiane Vulpius zusammengetragen. Diese und eine Vielzahl von Bildern vervollständigen den Eindruck im Hinblick auf die Frau, an die Goethe einst nicht grundlos schrieb ...lieber Engel, ich bin ganz Dein".

Sehr empfehlenswert.

Helga König

Das Buch ist überall im Handel erhältlich

Onlinebestellung: Weimarer Verlagsgesellschaft oder Amazon

Rezension: Feine Pflänzchen- Mascha Kaléko- dtv

Dieses hübsche Gedichtsbändchen berührt Blumenfreunde allein schon  wegen der Illustrationen auf dem Einband. Es handelt sich dabei um winzige Blümchen in Vasen und in Töpfen, die von Vögeln und Schmetterlingen begleitet werden. Sie geben einen ersten Hinweis darauf, worum es in diesen Gedichten geht: Um Pflanzen.

Schon Goethe hat eine Vielzahl seiner Verse Pflanzen gewidmet. Soche  Gedichte kann nur der verfassen, der Zugang zur Natur  hat. Goethe hatte ihn bekanntermaßen.

Mascha Kaléko ist eine der bedeutendsten weiblichen Lyrikerinnen des vergangenen Jahrhunderts. Mit Pflanzengedichten hätte ich sie bislang nicht in Verbindung gebracht. 

Kalékos Verse im Buch sind Pflanzen - Illustrationen beigegeben, die ähnlich wie die Gedichte selbst einer gewissen Komik nicht entbehren. Mascha Kaléko war eine typische Zwillingsfrau. Es ist Komik aber auch beißend schwarzer Humor, der zu diesem Frauentyp gehört, auch wenn sie eigentlich eine Liebeslyrikerin ist.

So wundern nachstehende Zeilen nicht:

Durch die Blume 

Seit ´33 lieb ich selbst Narzissen 
Nur noch mit seltsamen Gewissensbissen. 

Keine Zeile in diesem Gedichtband lässt erahnen, dass Kaléko wundervolle Liebenslyrik verfasst hat. Das finde ich bemerkenswert.

Übrigens: Ein nettes Mitbringsel anstelle von Blumen.

Empfehlenswert 

Helga König

Das Buch ist überall im Handel erhältlich

Onlinebestellung: dtv oder Amazon

Rezension: Liebesgedichte großer Männer- Wenn wir lieben sind wir zeitlos- Marixverlag- Sabine Nepolitano

Sabine Nepolitano hat in diesem Gedichtband Verse aus unterschiedlichen Jahrhunderten zusammengestellt. Im Quellenverzeichnis ist angeführt, aus welchen Werken die Liebesgedichte der Dichter stammen. 

Die lyrischen Texte sind in insgesamt acht Kapitel eingebunden. Dabei geht es zunächst um Verse, in denen die Dichter ihre Liebe erklären. Hier kann man sich in poetische Liebeserklärungen von Johann Wolfgang von Goethe, Theodor Fontane, Heinrich Heine, Pablo Neruda   sowie anderen berühmten Dichtern vertiefen,  hält vielleicht bei dem Poem des Komponisten Franz Liszt länger inne und  freut sich über die Zeilen "Alle Stimmen meines Herzens/und meine Seele singen/ den Hymnus der Liebe,/die Du erträumt hast." Während man diese Sätze liest, denkt man vielleicht an Liszts "Liebestraum" und begreift, was diesen Künstler bewegt hat, sowohl beim Schreiben des Verses als auch beim Komponieren des Stücks. Es muss eine tiefe Sehnsucht gewesen sein. 

Ein Kapitel ist dem Kuss gewidmet. Dazu wissen wieder viele Dichter etwas zu sagen, doch keiner formuliert einen solch wunderbaren Satz wie Wolfgang Borchert "Im Kuss versank die Welt im Traum"  Der Lyriker drückt aus, was ein Kuss eigentlich zur Folge hat: Traumzeit, wenn auch nur für Momente. 

Gedichte, die liebende Männer schreiben, wenn die erste Verliebtheit vorüber, findet man hier ebenso wie jene, die wunschlose Seligkeit bekunden. Hier entdeckt man Paul Verlaine, auch Hafis, Christian Morgenstern und irgendwann den Maler Paul Klee. Alle haben wundervoll geschrieben, auch Stefan Zweig, dessen Gedicht "Hand in Hand" mich sehr bewegt hat, ganz ähnlich wie die Zeilen des Philosophen Platon, die ich hier zitieren möchte "Unter den Sternen wohnt mein Liebster; /o dass ich der ganze Himmel wäre/ Mit viel Augen dich anzuschauen!“ Dann finde ich ein Gedicht Friedrich Hebbels wenig später, mit dem Titel "Ich und Du" und denke an den Menschen, der mir das Gedicht vor Jahren erstmals nahe brachte.  Später wird das  Zusammensein thematisiert, so etwa  von Erich Fried in "Aber wieder", auch von Mozart und schließlich von Christian Morgenstern, dessen Gedichte mich besonders berühren. Deshalb  möchte ich eines seiner im Buch abgedruckten Werke hier zitieren: 

An*** 
Da steht man nun in fremder Stadt allein 
mit dem, was man gefehlt und man getan, 
und den man liebt, der will nicht bei dir sein
und wandelt eigenwillig eigne Bahn. 

Und einer Liebe wunderreicher Hort 
bleibt unerschöpft und ewig unerlebt; 
ich stehe einsam hier, du einsam dort, 
und sind im Tiefsten doch so ganz verwebt. 

Auch ein Gedicht des bengalischen Dichters Tagore ist sehr berührend und natürlich  die Texte Rainer Maria Rilkes, der am feinsinnigsten Gefühle in Sprache umzusetzen vermag. 

Dann ist da auch noch Friedrich Halms Gedicht  "Mein Herz, ich will dich fragen" abgedruckt, das zu meinen Lieblingsliebesgedichten zählt  aber auch Verse von Ovid und anderen großen Geistern. 

Die Gefühle, die in den Gedichten zum Ausdruck kommen, sind nicht immer frühlingshaft, oft sind sie sehr melancholisch und so angelegt, dass längst vergessener Kummer erneut hervorbricht.

Vergessen wir also nie die Worte Theodor Storms, die eine ewige Wahrheit enthalten, uns aber nicht abhalten sollten, zu lieben.

Die Lieb' ist wie ein Wiegenlied:
Es lullt Dich lieblich ein.
Doch schläfst Du kaum, so schweigt das Lied,
und Du erwachst allein.

Sehr empfehlenswert 

Helga König

Überall im  Fachhandel erhältlich
Onlinebestellung: Marixverlag und Amazon

Rezension: Gesammelte #Gedichte- #Michel_Houellebecq - #Dumont

Michel Houellebecq zählt zu meinen Lieblingsautoren und Lieblingslyrikern. Er beeindruckt als blitzgescheiter Intellektueller, brillanter Analytiker und begnadeter Poet. 

Die hier vorliegende Gedichtsammlung umfasst 761 Seiten. Alle Gedichte sind in französischer und deutscher Sprache abgedruckt. Untergliedert sind sie in die Rubriken: 

Der Sinn des Kampfes 
Suche nach Glück 
Wiedergeburt 
Gestalt des letzten Ufers 

Natürlich ist es nicht möglich, zu all den Gedichten an dieser Stelle etwas zu schreiben, oder gar Gedichtanalysen anzufertigen. Wer über ein Gedicht schreibt, es zerlegt, nimmt ihm die Poesie. Will ich das?  Nein, denn ich liebe Poesie und achte sie.

Auf Seite 141 finde ich ein Gedicht, das die Zeiten überdauert. Um auf das Buch neugierig zu machen, gebe ich es hier wieder:  

Eine der Sonne ausgesetzte Seele
Nah beim bedrohlichen Meer; 
Die Wellen brechen und wecken
Dunklen, schlafenden Schmerz. 

Was wären wir ohne die Sonne?
Angewidertsein, Ekel, Leiden, 
Stumpfsinn der Existenz,
Alles verschwindet unter der Sonne. 

Die Mittagshitze verströmt 
Den Körper eines reglosen Genusses; 
Sehnsucht nach Tod, totalem Vergessen,
Die Augen vor einem Berührungskoma verschlossen.

Mitleidlos räkelt sich das Meer 
Wie ein erwachendes Tier; 
Dieses Universum hat kein Gesetz. 
Was wären wir ohne die Sonne? 

Nachdem ich 150 von Houellebecqs Gedichten gelesen habe, vielleicht waren es auch 200, dachte ich erneut, ja er ist wortgewaltig und mutig dazu. Er geht ohne Scheu ganz nah ran an das, was ihn bewegt und entkleidet subtil  die Nacktheit der Seele, stellt Fragen und weiß:

"Es dauert einige Sekunden, 
eine Welt auszulöschen."

Jeder weiß das, der erleben musste, wie  ein anderer wenig behutsam, unsre Illusionen zertrümmert hat und uns mit einem Scherbenhaufen alleine ließ. Macht weidet sich an der Ohnmacht ihrer Gegenüber...

Houellebecq ist  bei allem einer der der letzten Troubadoure. Das macht ihn bewundernswert. 

Nach einigen Monaten 
(Oder einigen Wochen) 
Bist du meiner müde Du, 
die ich zur Königin gemacht habe. 

Mir als schwergeprüftem Sterblichen 
War das Risiko bekannt, 
Die Sonne, rund wie ein Diskus 
Strahlt über meinem verreckten Leben. 
(697) 

Houellebecq, der Meister der nackten Verzweiflung ist ein großer Liebender, der nicht an die Liebe glauben mag, weil er  weiß:

"Es dauert einige Sekunden, 
eine Welt auszulöschen."

Diese Tatsache macht sensiblen Menschen Angst.

Sehr empfehlenswert 
Helga König

Überall im Fachhandel erhältlich:
Onlinebestellung:  Dumont oder Amazon

Rezension: Es ist Nacht und mein Herz kommt zu Dir- #Liebesgedichte- #Christian_Morgenstern- #Marix

Christian Morgenstern (1871-1914) ist der Verfasser der Liebesgedichte, die von feinsinniger Schwermut durchzogen sind. Die subtile Melancholie allerdings tritt nicht sogleich aus den Texten hervor, denn zunächst scheinen sie dahinzugleiten und hin und wieder gar in Alltäglichkeiten abzuschweifen. 

Der Dichter geht weit hinein in die menschliche Gefühlswelt mit all ihren Abgründen und Höhen, dabei schließen sich gedankliche Tiefe und Humor nicht aus. Das macht seine Texte besonders sympathisch. Dennoch, die Liebe war für ihn eine ernste Sache. 

Seine Art widersprechende Empfindungen zum Ausdruck zu bringen, berührt sehr. Als Beispiel dafür möchte ich das Gedicht auf Seite 138 anführen.

Mein Herz ist leer, 
ich liebe dich 
nicht mehr. 

Erfülle mich! 
Ich rufe bitterlich 
nach dir.

Im Traume zeig
dich mir 
und neig 
dich zu mir her! 

Erfülle mich 
mit dir 
auf ewiglich! 

Ich trag's nicht mehr, - 
ich liebe dich 
zu sehr. 

In vielen Versen ist die Sehnsucht aber auch die Einsamkeit ein Thema. Es sind Moll-Töne, die traurig machen, doch auch faszinieren. Vielleicht ist es ja die Liebe in Moll, die in die Ewigkeit verweist.

Diesbezüglich einige Zeilen aus dem Gedicht "Schicksal der Liebe" (S.140/141)

Wir sind zwei Rosen
darüber der Sturm fuhr
und sie abriss.
.......
Heimatlose,
tanzen und fliehen sie
nur für einander 
duftend und leuchtend
den Weg der Liebe-
...
Sehr empfehlenswert.

Helga König

Überall im Buchhandel erhältlich
Onlinebestellung: Marix oder Amazon.

Rezension: Ich selbst, auch ich tanze- Die #Gedichte- #Hannah_Arendt- #Piper


Dieser Gedichtband enthält Gedichte von Hannah Arendt (14. 10.1906 - 4.12.1975). Die berühmte Intellektuelle hatte einst Philosophie, Theologie und Griechisch u.a. bei Heidegger, Bultmann wie auch Jaspers studiert und promovierte 1928. Schon im Jahre 1933 emigrierte sie nach Paris und 1941 nach New York, wo sie zunächst als Lektorin und freie Schriftstellerin tätig war. Als Professorin für Politische Theorie lehrte sie in Chicago und ab 1967 an der New School for Social Research in New York. 

Der vorliegende  Band  wartet mit  Gedichten aus den Jahren 1923- 1926 und 1942-1961 auf.

Bevor man sich in die insgesamt 71 Gedichte vertieft, sollte man allerdings das Nachwort von Prof. Dr. Irmela von der Lühe gelesen haben. Diese lässt die Dichterin gleich zu Beginn selbst zu Wort kommen und zitiert aus einem Fernsehinterview,  das Hannah Arendt im Jahre 1964 Günter Gaus gab. Dort sagte sie einst "Dichtung hat in meinem Leben eine große Rolle gespielt". Gemeint hat sie damit ihre Begeisterung für griechische Poesie und die Beschäftigung mit Literatur sowie den Künsten. 

Es kann vermutet werden, dass es bei ihr mehr darum ging, Gedichte für und mit dem Herzen zu erlernen als für die nach außen gerichtete Selbstdarstellung. Hannah Arendt liebte Gedichte u.a. von Goethe, Schiller, Rilke, von Hofmannsthal und Brecht. Diese Intellektuelle wollte in erster Linie verstehen  aber nicht Macht und Einfluss gewinnen. Mittels ihres philosophisch-politischen Werkes und hier ihrer bemerkenswerten Studien lässt sich die umfassende Bedeutung ihres Bekenntnisses zum Verstehen am besten nachvollziehen. 

Ihr Werk "Rahel Varnhagen. Lebensgeschichte einer deutschen Jüdin aus der Zeit der Romantik" war einer ihrer ersten Versuche, weltpolitische Zusammenbrüche, politische und philosophische Prozesse im Medium weltliterarischer Texte zu veranschaulichen und zu verstehen, schreibt von der Lühe. In einem ihrer letzten großen philosophischen Werke stellte sie Überlegungen zum Verständnis ihrer Liebe zur Dichtung und Kunst an. Es handelt sich dabei um einen eigenen Paragraphen in "Vita activa oder Vom tätigen Leben" und bekennt sich dort zur "Nutzlosigkeit von Kunstdingen". Es geht um die Zweckfreiheit von Kunst, die durch die Kunst selbst erfolgt. Das gilt auch für das Gedicht, das sich in seiner zeitlosen und zugleich gegenwärtigen Funktion durch sich selbst beglaubigt. 

Hannah Arendts Gedichte beeindrucken durch Tiefsinn. Nur wenige haben einen Titel, sind dem Traum und der Nacht gewidmet, dem Spätsommer auch, sind voller Melancholie, lassen Geschichten erkennen, deren Quintessenz sie sind. Die Verse sind voller Demut und Weisheit aber auch Liebe und der Tod bleiben nicht ausgespart. 

"Was bleibt noch zu sagen" beginnt eine Strophe ihres Gedichts "Blumenfeld zum 70. Geburtstag". Vielleicht, dass man Worte wie "Herzenswärme" und  "Herzensgunst" nicht überlesen sollte in Hannah Arendts wunderbaren Gedichten, weil diese  Worte es erst ermöglichen, "den Menschen menschlich zu erfassen" 

Sehr empfehlenswert.

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zu Piper und können dort das Buch direkt bestellen. Sie können es aber auch bei ihrem Buchhändler um die Ecke ordern. http://www.piper.de/buecher/ich-selbst-auch-ich-tanze-isbn-978-3-492-05716-5

Rezension: Hafis Liebesgedichte- Insel-Bücherei

Dieser schöne Gedichtsband ist eine Sonderausgabe der Insel-Bücherei mit Gedichten des persischen Dichters Hafis, übertragen von Cyrus Atabay, der auch das Nachwort dazu geschrieben hat.

Goethe, so erfährt man dort, hat erstmals im Alter von 65 Jahren Gedichte von Hafis gelesen und war fasziniert davon, dass dieser Dichter alle Eigenschaften eines Poeten in besonders harmonischer Art in sich vereint hat.

Der große Frankfurter Sohn bewunderte die Vielschichtigkeit des Werkes von Hafis und damit wohl auch dessen geistige Transparenz, dessen Begeisterung für alles Lebende und die vollkommene Freiheit von jeglichem Dogmatismus.

Chaje Shams-ed-din Mohammad mit dem Beinamen Hafis wurde 1325 in Schiras geboren und verstarb 1390.

Die "Übersicht des Weltwissens" wie Goethe es nannte, erlangte er durch Selbststudium und wurde Lehrer in einer Koranschule und einer der berühmtesten Dichter seiner Zeit.

In seinen Versen geht er kritisch mit der Obrigkeit um, weil er in deren Tun nur Lüge, Heuchelei, Formalismus, Ränke und Dummheit sah.

Hafis war wie Goethe ein passionierter Weintrinker und verteidigte mutig seine persönliche Freiheit.

Die Gedichte sind von ganz besonderer Poesie. Die beigefügten Miniaturen führen in eine andere Zeit und in eine Kultur, die man als Mitteleuropäer mit "Tausendundeiner Nacht "in Verbindung bringt.

Berührend und gültig für alle Zeiten ist wohl sein Gedicht "Ich sagte: Ratlos bin ich deinethalben"

Empfehlenswert.

Helga König

Bitte klicken Sie  auf den Link, dann gelangen Sie zum Inselverlag und knnen das Buch bestellen: http://www.suhrkamp.de/reihen/insel-buecherei_24.html

Rezension: Albert Einstein, Sigmund Freud "Warum Krieg? Ein Briefwechsel. Mit einem Essay von Isaac Asimov- Diogenes

Dieses Taschenbuch enthält einen Briefwechsel zwischen Albert Einstein und Sigmund Freud und zudem einen Essay von Isaac Asimov. Dabei zählt der Briefwechsel zu den grundlegenden Texten des Pazifismus im 20. Jahrhundert. Vorangestellt ist der Korrespondenz ein Essay Albert Einsteins mit dem Titel "Für einen militanten Pazifismus".

Einstein sagt hier von sich, dass er nicht nur ein Pazifist, sondern ein militanter Pazifist sei und für den Frieden kämpfen wolle. Er weiß und unterstreicht, dass nichts den Krieg abschaffen werde, wenn wir nicht den Kriegsdienst verweigern. Jeder vernunftbegabte Mensch muss Einstein zustimmen, wenn er schreibt: "Jeder Krieg fügt ein weiteres Glied an die Kette des Übels, die den Fortschritt der Menschlichkeit verhindert.“ Es ist zutreffend, dass die Massen niemals kriegslüstern sind, solange sie nicht durch Propaganda vergiftet werden und man sie genau deshalb gegen die Propaganda immunisieren muss. Es stimmt, wir müssen Kinder gegen den Militarismus impfen und im Geist des Pazifismus erziehen, nachdem in allen Jahrhunderten in Europa die Völker mit falschen Zielen erzogen worden sind.

Einstein verdeutlicht, dass die Menschen auf der ganzen Welt menschenwürdig leben könnten, wenn nur ein Zehntel der Energien, die die kriegsführenden Nationen in einem Weltkrieg verbraucht,  in sinnstiftenden Projekte fließen würden. Am 30. Juli 1932 wendet er sich  in einem Brief an Freud und dieser schreibt ihm dann im September des gleichen Jahres zurück, also noch bevor die braune Pest an die Macht kam und 70 Millionen Tote durch ihre kriegslüsterne Politik dann zu verantworten hatte.

Er befasst sich in seinem Brief auch mit dem Hass und schreibt:"Im Menschen lebt ein Bedürfnis zu hassen und zu vernichten. Diese Anlage ist in gewöhnlichen Zeiten latent vorhanden und tritt dann nur bei Abnormalen zutage; sie kann aber verhältnismäßig leicht geweckt und zur Massenpsychose gesteigert werden“. Nach Auffassung Einsteins ist es gerade die Intelligenz, die den „verhängnisvollen Massensuggestionen am leichtesten unterliegt.“

Seine Annahme begründet er damit, dass diese Gruppe nicht unmittelbar aus dem Erleben zu schöpfen pflege, sondern auf dem Weg über das gedruckte Papier am vollständigsten zu manipulieren sei. Bedenkt man die 12 Jahre, die nach dem Brief folgten, ist man schon bass erstaunt über die hellsichtige Zukunftsanalyse Einsteins. 

Ich möchte nicht den gesamten Inhalt der beiden Briefe wiedergeben, werde deshalb nichts zu der Replik Sigmund Freuds schreiben und ebenfalls nicht den kleinen Essay mit dem Titel "Die Erde stirbt" verkürzt hier wiedergeben. 

Helga Weyhe, die älteste Buchhändlerin Deutschlands, mit der ich vor einigen Tagen ein Interview realisierte, empfiehlt allen: LESEN, LESEN, LESEN. Genau das empfehle auch ich, wenn es um das Buch "Warum Krieg?" geht, das übrigens die Basler Zeitung nicht grundlos als Grundausstattung eines jeden Haushalts begreift.

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum Diogenes Verlag und können das Buch bestellen:http://www.diogenes.de/leser/katalog/nach_autoren/a-z/e/9783257200287/buch. Sie können es aber auch  direkt beim Buchhändler um die Ecke kaufen.