Rezension: Die schoensten Liebesbriefe deutscher Musiker

In Liebesbriefen erschließt sich die Art der Persönlichkeit und Empfindungsfähigkeit einer historischen Figur am besten. Besonders interessant ist es Liebesbriefe von Musikern zu lesen, deren Kompositionen Ausdruck ihrer Seele, Ausdruck des Gefühls sind. Die im Buch enthaltenen Texte stammen von Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven, Carl Maria von Weber, Albert Lorzing, Clara Wieck und Robert Schumann, Franz Liszt, Richard Wagner, Anton Bruckner, Johannes Brahms, Johann Strauss( Sohn) Gustav Mahler und Max Reger. Den ausgewählten Liebesbriefen der Komponisten sind Texte vorangestellt, die die Beziehungen zu den Empfängerinnen der Briefe kurz erklären.


Sehr berührt haben mich die Liebesbriefe, die Mozart an seine Frau Konstanze schrieb. Der Tenor dieser Briefe ist sehr positiv, fröhlich und unglaublich unverkrampft. "Liebstes, bestes Weibchen. Liebstes Weibchen, hätte ich doch auch schon einen Brief von Dir!........ Grüß Dich Stanzerl! Grüß Dich Gott, Spitzbub - Krallerballer - Spitzignas - Bagateller l - schluck und druck......Nun glaube ich so ziemlich viel Dummes (für die Welt wenigstens) hingeschrieben zu haben, für uns aber, die wir uns so innig lieben, ist es gerade nicht dumm.......liebe mich ewig so wie ich Dich, ich küsse Dich millionen Mal auf das zärtlichste und ewig, Dein Dich zärtlich liebender Gatte W.A. Mozart."


Ich habe bewusst aus diesem reizenden Brief zitiert, weil er viel über das Wesen dieses Mannes aussagt, der uns allen seine wundervolle Musik geschenkt hat. Die Zeilen an seine Frau sind auch Musik, Musik in den Ohren seines Stanzerl, die sich geliebt weiß von einem Mann, der sich völlig in seinen Liebesbriefen zurücknimmt und rührend auf seine Frau eingeht."...Sei nicht melancholisch, ich bitte Dich!.....sobald mein Geschäft zu Ende ist, so bin ich bei Dir, denn ich habe mir vorgenommen in Deinen Armen auszuruhen... Deine Gegenwart- ich meine, ich kann es nicht erwarten.....Wenn Du was brauchst, Stanzerl, so schreib es mir aufrichtig, und ich werde gewiss mit wahren Vergnügen in allem zu contentionieren suchen meine Stanzi Marini".

Mozart schreibt so hell, so offen und selbstlos wie seine Musik sich dem Zuhörer offenbart. Dieser großartige Mensch machte sich seiner Frau und der Welt zum Geschenk. Wagner tat dies nicht. Seine Briefe, die er an Minna Planer und Mathilde Wesendonk schreibt, zeigen den Egomanen, der mit selbstbezogenem Wortschwall Frauen von heute gewiss verschrecken würde. Anödend. Dieser Mann war liebesunfähig, eitel und unerträglich wie seine Musik in meinen Ohren. Noch nicht mal charmant konnte Wagner sein.


Ein Charmeur allerdings war Franz Liszt, der ein Frauenheld gewesen sein soll, was ich mir gut vorstellen kann. "Ich fühle ein unwiderstehliches Verlangen nach Ihnen....Ich liebe sie tief, aber ich kann Ihnen das nicht so sagen, wie sie das gern möchten. Warum fordern Sie auch von mir, dass ich Ihnen meine Seele übersetze und in schöne Sätze zerlege? Kann ich das tun?" fragt er fragt er 1836 Marie d` Agoult. 1851 endet ein Brief an Carolyne von Sayn-Wittgenstein mit den Worten "Nehmen wir mit dem Bewusstsein unserer Bestimmung die Leiden des Schicksals hin. Sie werden immer nur von kurzer Dauer sein. Vergessen wir nicht, dass unser Weg und unser Ziel die Liebe ist,- die Liebe, die alle Lasten leicht tragen lässt, denn sie entströmt unaufhörlich den Quellen der ewigen Lichts." Liszt war ein Mann, wie sich ihn intellektuelle Frauen mit Herzensbildung wünschen, gedanklich tiefgehend, feinfühlig, nicht schwermütig und charmant.


Aber lesen Sie bitte selbst, vielleicht favorisieren Sie ja eher Strauß als Briefschreiber, der Adele Strauß zu Ende seines Briefes wissen lässt "Es sendet Dir die herzlichsten Umarmungen in Unzahl Dein wonnetrunkener Jean."

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen