Rezension: '#Mascha_Kaléko „Liebst du mich eigentlich? – Briefe an ihren Mann“

Die Lyrikerin Mascha Kaléko ist die Tochter jüdischer Eltern aus Galizien. Bereits in sehr jungen Jahren in Berlin wurde sie in intellektuelle Kreise aufgenommen, die dort in Romanischen Cafés zusammen kamen. Sie hatte recht bald schon Erfolg. 

1938 emigrierte sie mit ihrem zweiten Mann Chemjo Vinaver und ihrem gemeinsamen Sohn in die USA und ließ sich später in Jerusalem nieder. 

Im vorliegenden Büchlein haben die beiden Kaléko- Kennerinnen Gisela Zoch-Westphal und Eva- Maria Prokop Briefe zusammengetragen, die Mascha Kaléko an Chemjo Vinaver schrieb. Die meisten dieser Briefe stammen aus dem Jahre 1956. Damals hielt sich die Lyrikerin erstmals wieder in Deutschland auf und bereiste ein Jahr lang Europa. 

Die Briefe dokumentieren die Seelenverwandtschaft und innige Liebe zu ihrem Mann, der übrigens Musikwissenschaftler war. Die zitierten Briefstellen stammen aus der vierbändigen Gesamtausgabe "Sämtliche Werke und Briefe", die Jutta Rosenbeerg herausgegeben hat und die 2012 im Deutschen Taschenbuch Verlag erschienen ist. 

Für Emigranten war es nicht einfach schnell wieder eine adäquate Arbeit zu finden. Es war die übliche Furcht vor Überfremdung, die überall dort auftritt, wo Flüchtlinge einen Neuanfang erhoffen und Alteingesessene um ihre Privilegien bangen. Ihre Exilgedichte brachten Kaléko zwar Erfolg aber kaum Geld. 

Da auch ihr Mann im Exil nur ein unregelmäßiges Einkommen hatte, stockten ihr gemeinsames Leben und ihre dichterische Produktion. Erst 1955 wurde es anders als Ernst Rowohlt mit seiner einstigen Erfolgslyrikerin Kontakt aufnahm, es zu einer Neuauflage ihrer Gedichte kam und sie nach Deutschland reiste.

Die Briefe an ihren Mann beinhalten einen detaillierten Bericht über Reisebekanntschaften, die Erfahrungen mit billigen Pensionen, den Preisen für Essen und Trinken, den Reisen per Bahn und Flugzeug gepaart mit kritischen Reflexionen über die deutsche Befindlichkeit in jenen Jahren.

Kaléko schreibt melancholisch-witzige Briefe und dokumentiert auch in diesen schriftlichen Zeugnissen ihre große Seele, die die Zeitläufte überstrahlt und immer wieder Anlass gibt, Texte von ihr auf sich wirken zu lassen.

Empfehlenswert.

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum Verlag und können das Buch bestellen: http://www.dtv.de/buecher/liebst_du_mich_eigentlich_28039.html. Sie können es aber auch bei ihrem Buchhändler um die Ecke erwerben.

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