Rezension: Briefe bewegen die Welt Bd. 5 Kunst und Kultur (Gebundene Ausgabe)

"So, nun soll mein kleiner bunter Vogel zu Ihnen fliegen, mit herzlichen Grüßen u. guten Wünschen von Ihrem H. Hesse.

Dies ist der fünfte Band der Serie "BRIEFE BEWEGEN DIE WELT". Diese Bände werden von Hellmuth Karasek herausgegeben. Diese Bände werden von Hellmuth Karasek herausgegeben. Auch diesmal hat er die Einleitung dazu verfasst und wie immer stammt das Vorwort vom Konzernvorstand "Brief Deutsche Post DHL" Jürgen Gerdes.

 In diesem Band hat Karasek Briefe aus dem Kunstbetrieb der letzten 500 Jahre ausgewählt und beginnt den Reigen mit einem Schreiben Albrecht Dürers an die Stadt Nürnberg. Der Brief, wie viele andere der im Buch thematisierten Briefe, bzw. Briefwechsel, ist handschriftlich abgedruckt. Gottlob gibt es dazu auch stets einen maschinengeschriebenen Text, denn manche Handschrift ist kaum entzifferbar.

Zu dem Brief und den Hintergründen, die zu den jeweiligen Schreiben führten, wird man in der Folge immer aufgeklärt. Zudem gibt es stets eine umfangreiches Textportrait zu den einzelnen Schreibern. Ein Foto oder ein Gemälde des Künstlers u. ein Foto des Briefpartners kann man auch stets bewundern und es wird auch immer ein Kunstwerk des jeweiligen Künstlers vorgestellt. Vom Briefpartner erfährt man ebenfalls Wissenswertes.

 Dürer gehört zu den Malern, die ich am meisten schätze. Insofern bin ich natürlich begeistert, nun auch einen Eindruck von seinem Schriftbild zu haben. Seine Schrift ist so schön, dass der Brief eigentlich gerahmt werden müsste. Dürer lernt man durch diesen Brief als klugen Kaufmann kennen, der sich anschickte, der Stadt Nürnberg nach heutigem Geld etwa 250 000 Euro als festverzinsliches Darlehen zu einem Jahreszins von 5 % erfolgreich abzuschwatzen, obschon er keinerlei Geldsorgen hatte. Von Dürers Mischung aus Kunst und Geschäftssinn profitiert die Stadt Nürnberg noch heute, das bleibt in den Erläuterungen zum Brief nicht unerwähnt.

 Auf die einzelnen Briefwechsel der Künstler näher einzugehen und im Rahmen der Rezension die Korrespondenz zu analysieren, führt zu weit. Briefe von Persönlichkeiten wie Angelika Kaufmann, Caspar David Friedrich, Wilhelm Busch, Max Liebermann, Oskar Kokoschka, Ludwig Kirchner, Max Beckmann und Max Ernst werden vorgestellt, aber es findet sich auch ein Brief von Hermann Hesse an Alfred Kubin in diesem Band über bildende Künste.

 Kubin war Zeichner, Grafiker und Illustrator. Ihm schreibt Hesse gewissermaßen disziplinübergreifend, (vgl: S.88). Bezaubernd ist die kleine bunte Illustration Hesses mittels der er seinen Brief beginnt. Kubins Schriftbild ist übrigens gewöhnungsbedürftig. Hier ist der Leser zunächst mit dem Entziffern der Worte lange beschäftigt, bevor er sich mit dem Inhalt des Briefes auseinandersetzen kann. Gut, dass die Zeiten handgeschriebener Briefe der Vergangenheit angehören,
 Durch die Briefe lernt man Beweggründe von Schreibern kennen, auch welche Kinderstube sie hatten. Nicht für alle Briefeschreiber entwickelt man spontan Sympathien, für Hermann Hesse allerdings sofort.

Empfehlenswert.

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