Rezensionen:Deutsche Lyrik des Mittelalters: Zweisprachige Ausgabe: Mittelhochdeutsch Neuhochdeutsch (Gebundene Ausgabe)

Herausgeber dieses Gedichtsbandes ist Dr. Manfred Stange. Es handelt sich hierbei um eine zweisprachige Ausgabe mit Anmerkungen und einem Nachwort des Herausgebers.

In den Anmerkungen im hinteren Teil des Buches hat man Gelegenheit, sich über die einzelnen Lyriker kundig zu machen und erfährt auch Wissenswertes zu den jeweiligen Strophen dieser mittelalterlichen Gedichte und Lieder.

 Zu den Autoren zählen Dietmar von Aist, Rudolf von Fenis-Neuenburg, Heinrich von Morungen, Wolfram Eschenbach, Walter von der Vogelweide, Neidhart (von Reuental), Johannes Hartlaub, Oswald von Wolkenstein, Mechthild von Magdeburg, aber auch Frauenlob (Heinrich von Meissen), den ich kürzlich in einer Rezension zur Geschichte von Mainz erwähnt habe.

 Im Nachwort schreibt Dr. Stange, dass es sich bei mittelalterlicher Lyrik um Rollenlyrik handelt und insofern in keiner Weise um Erlebnislyrik. Hier darf man sich nicht vom "Ich" in den Liedern täuschen lassen. Bei mittelalterlichen Autoren sollte man also keine Rückschlüsse vom Erlebnisgehalt des Gedichts auf den Autor ziehen. Unter Rollenlyrik versteht man das sich Hineinversetzen in überindividuelle Personen (der Herausgeber erwähnt die Dame, den Ritter, den Boten, den Wächter und die Gesellschaft), aber auch das Hineinversetzen in stereotype Verhaltensmuster, wie etwa die Werbung. Trotz dieser Gegebenheiten gibt es gleichwohl "Individuelles" und zwar in poetologischer Hinsicht. Genannt wird die Entfaltung der individuellen Fähigkeiten der Lyriker im Rollenspiel. Dies gilt speziell für den Sprachton.

 Ein weiteres Merkmal der mittelalterlichen Lyrik gegenüber der neueren ist die logische Form der Lieder. Dabei sind die einzelnen Strophen in sich abgeschlossen und selbstständig. Wissen sollte man, dass mittelalterliche Lieder keine Überschriften aufweisen und die Personen in der frühen höfischen Phase völlig unkonturiert bleiben.

 Die Biografie der Lyriker, die nahezu alle "Fahrende" waren, ist zumeist kaum bekannt. Begriffe und Werte, die in den Texten auftauchen sind Beständigkeit, Aufrichtigkeit, Freude etc. Es sind Tugendbegriffe der adeligen Gesellschaft in jener Zeit, in der in der Liebeslyrik nicht zuletzt das Ideal der "Hohen Minne" besungen wird. Neben diesem Ideal allerdings ist auch der Gedanken der auf Gegenseitigkeit beruhenden und erfüllbaren wie erfüllten Liebe besungen worden. Erfüllte Liebe ist auch das Thema von Pastourellen, über die man auch unterrichtet wird.

Über die Spruchlyrik wird man hinreichend aufgeklärt und liest dass hier ethische Begriffe und Wertsetzungen elementar sein. Auch liest man Wissenswertes über die Liedarten, die Musik und über die wichtigsten Sammelhandschriften, zu denen auch die "Carmina Burana" zählt.

 Über die vorliegende Ausgabe erfährt man alles Notwendige zur Auswahl, dem Text, der Übersetzung, den Anmerkungen und dem Anhang, indem man sich u.a. zur Metrik, zur Aussprache und zur Lautlehre kundig machen kann.

Zur Einstimmung in den Gedichtsband möchte ich ein Lied des deutschen Minnesängers "Der von Kürenberg" zitieren: 

 Ich zog mir einen Falken länger als ein Jahr
Als ich ihn so gezähmt hatte, wie ich ihn haben wollte
und ihm sein Gefieder mit Gold fein geschmückt hatte 
hob er sich hoch auf und flog davon in andere Lande 

Seitdem sah ich den Falken herrlich fliegen, 
er trug an seinen Fängen seidene Bänder 
und sein Gefieder war ganz rotgoldenen
Gott bringe die zusammen, die einander herzlich lieben wollen! 


Das ist Liebe, in ihrer reinsten Form. Wundervoll. 

Empfehlenswert.

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