Rezension: Koloß im Nebel: Gedichte (Gebundene Ausgabe)

Das vorliegende Buch enthält Gedichte des Lyrikers Durs Grünbein. Dieser Dichter erhielt u.a. im Jahre 1995 den Georg-Büchner-Preis, 2004 den Friedrich-Nietzsche-Preis, 2005 den Friedrich-Hölderlin-Preis. 2006 in Italien den Pasolini-Preis und 2012 in Schweden den Tomas-Transtömer-Preis.

Wie man erfährt, stehen in Grünbeins Dichtung Innenleben und äußere Welt in einer unauflösbaren Spannung. In all seinen Gedichten werde letztlich die Frage gestellt, was Imagination sei und wie sie das Bewusstsein verändere.

Mit dieser Info an der Hand habe ich mich durch die sieben Abteilungen gelesen, die man wie Bilder einer Ausstellung begreifen soll. Wie bei jeder Ausstellung gibt es Bilder, zu denen man einen besonderen Zugang hat.

Besonders angesprochen hat mich bei dem Reigen der Gedichte, die sehr zum Nachdenken anregen, jenes mit dem Titel "Wenn kein Credo mehr gilt". Auch hier muss man sich die Frage natürlich stellen: "Was ist Imagination und wie verändert Sie unser Bewusstsein?" Gehen wir nach der bewussten Lektüre dieser Verse mit mehr Respekt und größerer Aufmerksamkeit an die Werke der Lyriker heran? Es wäre zumindest zu wünschen.

Wenn kein Credo mehr gilt

Auf einem Ozean der Ignoranz
Treibt der Poet, ausgesetzt
Von den Schiffen der Philosophen
Majestätisch dahin.

In den Wellen verliert er sich,
Findet sich wieder auf hoher See,
Wo das Epos in Trümmer ging,
Von leichten Winden getragen.

Demut hält ihn im Gleichgewicht.
Eine Schwimmblase ist sie
Für die schaukelnde Psyche.
Die blaue Vernunft gibt ihm Halt.

 Majestätisch? Von wegen.
Der Finnische Meerbusen schweigt.
Das Gelbe Meer reicht ihn weiter
An die Straße von Malakka.
Die Barentssee weiß nichts von ihm.
 (Seite 90)

 Empfehlenswert.

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