Rezension: Zeigerloser Weg: 61 Haiku über Frauen

"Versteckte Seele,/ in Briefen behütet, zieht/ sie von Hand zu Hand" (Dagmar Tollwert) 

 Dieses bemerkenswerte Buch der Lyrikerin Dagmar Tollwerth enthält 61 Haikus über berühmte Frauen, dazu jeweils eine Tuschezeichnung der gerade mittels eines Haikus beschenkten Persönlichkeit und zudem auch immer ein Kurzportrait.

Die Westfälin Dagmar Tollwerth ist die Tochter einer portugiesischen Mutter und eines deutschen Vaters. Die Tuschzeichnungen stammen aus der Feder der koreanischen Kunststudentin Yun Nam.

Damit Sie einen Eindruck gewinnen, wem Tollwerth im Buch Ihre Haikus widmet, werde ich einige Persönlichkeiten hier nennen. Zuvor aber möchte ich kurz mitteilen, was man unter einem Haiku versteht.

Diesbezüglich zitiere zwei Sätze aus Wikipedea und verweise auf den entsprechenden Artikel "Haiku", wo Sie Näheres erfahren können: "Haiku ( jap 俳句, dt. "Schauspielergedicht"; Plural: Haiku, auch: Haikus) ist eine traditionelle japanische Gedichtform, die heute weltweit verbreitet ist. Das Haiku gilt als die kürzeste Gedichtform der Welt."

Die Textporträts sind ebenso vortrefflich gelungen wie die Tuschezeichnungen und die Haikus zeigen, dass die Lyrikerin in ihrem Metier eine Meisterin ist. Bevor ich einige Damen, wie angekündigt nenne, hier ein Haiku, das Bozena Nemcová, einer tschechischen Literatin gewidmet ist, die ich übrigens bislang noch nicht kannte.

 "Im tiefen Dunkel.
weist die Poesie den Weg
zu den schönen Stern."

Liest man die Kurzbiografie, so erkennt man den Zusammenhang zum Leben Nemcovás sofort.

Im Buch geht es um Persönlichkeiten wie Ricarda Huch, Camille Claudel, Käthe Kollwitz, Elke Lasker–Schüler, Franziska zu Reventlow, Mascha Kaléko, Sophie Scholl, Anne Frank... Sophie Scholls und Anne Franks Biographie kennen viele. Doch nicht nur deshalb hebe ich die beiden ihnen gewidmeten Haikus hervor. Diese Haikus möchte ich hier zitieren, weil sich in ihnen der Mut der beiden Frauen verdichtet und für jeden sensiblen Menschen spürbar wird.

Sophie Scholl, ermordet von den Nazis:
"Weißes Rosenblatt
Fällt in den Lichthof, ein Tag,
herrlich zum Gehen."

Die Jüdin Anne Frank, starb im Konzentrationslager Bergen-Belsen an Typhus
"Die Kastanie
Überdauert das Lächeln
Sie blüht Jahr für Jahr"

Alle Persönlichkeiten in diesem Buch sind unbeirrt ihren Weg gegangen und verdienen es deshalb mit Gedichten und Blumen geehrt zu werden. Schön, dass Dagmar Tollwerth sich dieser Aufgabe so vortrefflich gewidmet hat.

Empfehlenswert.

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Rezension:»Seit heute, aber für immer«: Die schönsten Liebesgedichte (insel taschenbuch) (Taschenbuch)

.../die Liebe ist eine Sandpflanze/die im Feuer dient/und nicht verzehrt wird-/.. (Nelly Sachs, S.29),

Die Liebesgedichte in diesem Buch wurden seitens Elke Heidenreich und André Heller ausgewählt. Dabei war Heidenreich für die Auswahl der Gedichte von Lyrikerinnen und Heller für die Auswahl der von Lyrikern verfassten Gedichte zuständig. Obschon ich bereits viele Liebesgedichte gelesen habe, fand ich in der vorliegenden Gedichtsammlung dennoch zahlreiche Verse, die ich noch nicht kannte. Dass mich dies erfreute, will ich nicht unerwähnt lassen.

Wenn man gerade nicht verliebt ist, liest man Liebesgedichte anders, möglicherweise analytischer als zu Zeiten, in denen das Herz wild schlägt und sind wir voller Sehnsucht, sprechen uns andere Verse an, als zu Zeiten, in denen man seine junge Verliebtheit lebt und wiederum andere, wenn Kummer ansteht, weil eine Liebesgeschichte dem Ende zugeht und Trauer angesagt ist.

Natürlich gibt es Lyriker und Lyrikerinnen, die uns von der Chemie her näher stehen. In meinem Fall sind es die Dichterinnen Else-Lasker-Schüler, Mascha Kaléko, Ricarda Huch und Rose Ausländer, die in diesem Gesichtsband gottlob mit zahlreichen Liebesgedichten vertreten sind. Bei den Dichtern im Buch schätze ich Rilke und Pablo Neruda am meisten und bedaure, dass man Tagore nicht mit in die Auswahl genommen hat.

Es führt zu weit, alle Dichter und Dichterinnen hier aufzulisten oder gar die Titel der ausgewählten Liebesgedichte. Bevor man sich in diese vertieft, sollte man die Nachworte von Heller und Heidenreich lesen. Ich nenne Heller zuerst, weil dessen Nachwort nicht am Ende des Buches steht , sondern die ausgewählten Gedichte von Heidenreich abschließt. Wie er schreibt, hat ihn in seinem Leben kaum etwas mehr interessiert als die innersten Gedanken und Bilder besonderer Frauen. Er resümiert, dass die Liebesgedichte der Frauen im Buch als Einblicke in Anrufungen, Lobpreisungen, Glücksephorien, Selbsterniedrigungen, Trauerhymnen, Wutbeschwörungen und anderes Flüstern und Schreien zu begreifen sind, das zu lesen eine wunderbare Bereicherung sei. Diese Meinung teile ich völlig. Elke Heidenreich schreibt in ihrem Nachwort zu den Versen der Dichter und kommt zum Ergebnis, dass Lyriker seltener von ihrer Verlassenheit schreiben. Männer möchten halt letztlich als Helden gelten. Die meisten jedenfalls.

Wie immer, wenn ich einen Gedichtband rezensiere, will ich eines der Gedichte zitieren. Es ist kein heiteres Liebesgedicht, aber es vermittelt ein Gefühl, das jeden am Ende einer Liebesbeziehung erwarten kann und daran erinnert, dass man schöne Stunden voller Achtsamkeit genießen sollte. Nichts dauert ewig, was bleibt ist das gezeichnete Ich.

Nicht alle Schmerzen.

Nicht alle Schmerzen sind heilbar, denn manche schleichen
sich tiefer und tiefer ins Herz hinein,
Und während Tage und Jahre verstreichen,
Werden sie Stein.

Du sprichst und lachst, als wenn nichts wäre,
Sie scheinen geronnen wie Schaum,
Doch Du spürst ihre lastende Schwere
Bis in den Traum.

Der Frühling kommt wieder mit Wärme und Helle,
Die Welt wird ein Blütenmeer.
Aber in meinem Herzen ist eine Stelle
Da blüht nichts mehr.
Ricarda Huch, Seite 128.

Sehr empfehlenswert

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