Rezension:»Seit heute, aber für immer«: Die schönsten Liebesgedichte (insel taschenbuch) (Taschenbuch)

.../die Liebe ist eine Sandpflanze/die im Feuer dient/und nicht verzehrt wird-/.. (Nelly Sachs, S.29),

Die Liebesgedichte in diesem Buch wurden seitens Elke Heidenreich und André Heller ausgewählt. Dabei war Heidenreich für die Auswahl der Gedichte von Lyrikerinnen und Heller für die Auswahl der von Lyrikern verfassten Gedichte zuständig. Obschon ich bereits viele Liebesgedichte gelesen habe, fand ich in der vorliegenden Gedichtsammlung dennoch zahlreiche Verse, die ich noch nicht kannte. Dass mich dies erfreute, will ich nicht unerwähnt lassen.

Wenn man gerade nicht verliebt ist, liest man Liebesgedichte anders, möglicherweise analytischer als zu Zeiten, in denen das Herz wild schlägt und sind wir voller Sehnsucht, sprechen uns andere Verse an, als zu Zeiten, in denen man seine junge Verliebtheit lebt und wiederum andere, wenn Kummer ansteht, weil eine Liebesgeschichte dem Ende zugeht und Trauer angesagt ist.

Natürlich gibt es Lyriker und Lyrikerinnen, die uns von der Chemie her näher stehen. In meinem Fall sind es die Dichterinnen Else-Lasker-Schüler, Mascha Kaléko, Ricarda Huch und Rose Ausländer, die in diesem Gesichtsband gottlob mit zahlreichen Liebesgedichten vertreten sind. Bei den Dichtern im Buch schätze ich Rilke und Pablo Neruda am meisten und bedaure, dass man Tagore nicht mit in die Auswahl genommen hat.

Es führt zu weit, alle Dichter und Dichterinnen hier aufzulisten oder gar die Titel der ausgewählten Liebesgedichte. Bevor man sich in diese vertieft, sollte man die Nachworte von Heller und Heidenreich lesen. Ich nenne Heller zuerst, weil dessen Nachwort nicht am Ende des Buches steht , sondern die ausgewählten Gedichte von Heidenreich abschließt. Wie er schreibt, hat ihn in seinem Leben kaum etwas mehr interessiert als die innersten Gedanken und Bilder besonderer Frauen. Er resümiert, dass die Liebesgedichte der Frauen im Buch als Einblicke in Anrufungen, Lobpreisungen, Glücksephorien, Selbsterniedrigungen, Trauerhymnen, Wutbeschwörungen und anderes Flüstern und Schreien zu begreifen sind, das zu lesen eine wunderbare Bereicherung sei. Diese Meinung teile ich völlig. Elke Heidenreich schreibt in ihrem Nachwort zu den Versen der Dichter und kommt zum Ergebnis, dass Lyriker seltener von ihrer Verlassenheit schreiben. Männer möchten halt letztlich als Helden gelten. Die meisten jedenfalls.

Wie immer, wenn ich einen Gedichtband rezensiere, will ich eines der Gedichte zitieren. Es ist kein heiteres Liebesgedicht, aber es vermittelt ein Gefühl, das jeden am Ende einer Liebesbeziehung erwarten kann und daran erinnert, dass man schöne Stunden voller Achtsamkeit genießen sollte. Nichts dauert ewig, was bleibt ist das gezeichnete Ich.

Nicht alle Schmerzen.

Nicht alle Schmerzen sind heilbar, denn manche schleichen
sich tiefer und tiefer ins Herz hinein,
Und während Tage und Jahre verstreichen,
Werden sie Stein.

Du sprichst und lachst, als wenn nichts wäre,
Sie scheinen geronnen wie Schaum,
Doch Du spürst ihre lastende Schwere
Bis in den Traum.

Der Frühling kommt wieder mit Wärme und Helle,
Die Welt wird ein Blütenmeer.
Aber in meinem Herzen ist eine Stelle
Da blüht nichts mehr.
Ricarda Huch, Seite 128.

Sehr empfehlenswert

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