Rezension:Briefe bewegen die Welt, Bd 3 (Gebundene Ausgabe)

Dies ist der dritte Band mit Briefen, die die Welt bewegen. Diesmal steht Politik und Geschichte im Fokus. Nach einem kurzen Vorwort von Jürgen Gerdes, dem Konzernvorstand "Brief Deutsche Post DHL" und einer informativen Einleitung von Hellmuth Karasek, dem Herausgeber dieser Briefsammlung, hat man Gelegenheit bemerkenswerte Briefe unterschiedlicher Verfasser zu lesen. Unter diesen befinden sich Martin Luther, Bismarck, Königin Luise von Preußen, Helmuth James von Moltke, Willy Brandt, John F. Kennedy, Rudolf Augstein, Joschka Fischer und Peter Gauweiler.


Die Briefe sind teilweise handschriftlich, immer aber in Druckbuchstaben nachlesbar. Ferner hat man Gelegenheit Kurzbiografien der Briefeschreiber und der Empfänger dieser Briefe kennenzulernen und über die historischen bzw. politischen Hintergründe der Briefe Näheres in Erfahrung zu bringen. Schreiber und Empfänger sind übrigens durch Gemäldeabdrucke oder Fotos visualisiert. Autoren der die Briefe kommentierenden Texte und der Kurzbiografien sind die Redakteurin Sonja Wild und der Wirtschaftsjournalist Hans Pöllmann.

Es führt zu weit, im Rahmen der Rezension auf alle Briefe näher einzugehen. Hervorheben möchte ich eine Karte, die Ernst Georg Jünger am 25.7.1916 an seinen Sohn Ernst schrieb, der sich zu dieser Zeit an der Front befand. Der Brief ist erschreckend kühl gehalten, bedenkt man, dass der 21 jährige Sohn zu diesem Zeitpunkt Gefahr lief, jeden Moment erschossen zu werden.

Mich wundert, nachdem ich die Zeilen von Ernst Jüngers Vater gelesen habe, nicht mehr die Art und Weise wie Jünger den Krieg in "Stahlgewitter" beschrieb. Dieser Sohn musste gewissermaßen den 1. Weltkrieg als ästhetisches Naturereignis begreifen und konnte die Frage der Sinnhaftigkeit nicht stellen, wenn er, der nicht emanzipierte, brave Sohn seines Vaters bleiben und dessen Idealen die Ehre erweisen wollte. Das unterschied Ernst Jünger von Erich Maria Remarque, dem Verfasser von "Im Westen nichts Neues". Vielleicht sind die Werke und deren Betrachtungswinkel letztlich das Ergebnis unterschiedlicher Erziehungsideale ihrer Väter. Mir drängt sich der Verdacht jedenfalls auf. Nicht jeder Sohn schafft bereits in jungen Jahren die Emanzipation vom Vater. Mitunter bedarf es vieler Jahrzehnte. Ein weites Feld....

Extrem berührend sind die Briefe, den Helmuth James von Moltke an Freya von Moltke schrieb. Der Briefschreiber wurde von den Nazis nach dem missglückten Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 des Hochverrates angeklagt und am 23.1.1945 in Plötzensee hingerichtet. Mich wundert es nicht, dass in Terrorregimen es stets die besten Menschen sind, die hingerichtet werden. Sie bilden das Gewissen, dass es niederzuprügeln gilt.


Es führt zu weit, an dieser Stelle alle Briefe zu analysieren, obschon es mir beim Brief von Joschka Fischer an die Grünen, vom 30. Juli 1995 in den Fingern kribbelt. Auch einige andere Briefe eignen sich zur Grundlage langer Diskussionen, bis auf die "Emser Depesche vielleicht. Über die ist meines Erachtens schon genug geredet worden.

Interessant sind für mich die Handschriften. Sie sind überaus aufschlussreich, zeigen das seelische und geistige Befinden des Schreibers zum Zeitpunkt des Briefeschreibens.

Der handgeschriebene Brief Udo Lindenbergs an Erich Honecker vom 23.6.1987 hat mich belustigt. Dazu ist er auch noch lehrreich, denn er zeigt, wie man selbst mit Personen wie Honecker erfolgreich kommunizieren kann. Udo Lindenberg ist nicht nur ein großartiger Barde, sondern auch ein hervorragender Diplomat. Wer letzteres bezweifelt, sollte den Brief lesen.

Empfehlenswert.

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