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Rezension: Tapfer lieben: Ihre persönlichen Aufzeichnungen, Gedichte und Briefe

mein Liebster schläft neben mir-
im schwachen Licht- sehe ich sein männliches Kinn
nachgeben- und den Mund seiner
Kindheit wiederkehren
eine weichere Weichheit
die Sensibilität die bebt
im Stillen
doch seine Augen müssen
wundersam geblickt haben aus dem Höhlenversteck des kleinen
Jungen- wenn das, was er nicht verstand-
vergessen ward
aber er wird so aussehen, wenn er tot ist
ach, unerträgliche unausweichliche Gewissheit
doch sähe ich lieber seine Liebe sterben
als ihn?

(Marylin Monroe, 1956)


Das vorliegende reich bebilderte Buch wurde von Stanley Buchthal und Bernard Comment herausgegeben. Es enthält persönliche Aufzeichnungen, Gedichte und Briefe der großen Hollywoodschauspielerin.

Im Vorwort erfährt man, dass im Jahr 1962 bei ihrem Tode ihr persönlicher Besitz an Lee Straßberg ging. Als dieser 1982 verstarb, ging er an seine junge Witwe Anna Strassberg weiter. Man erfährt in der Folge, wie es dazu kam, dass man sich entschied Marilyn persönliche Aufzeichnungen zu veröffentlichen.

Dem Vorwort folgt ein erhellender Essay von Antonio Tabucchi "Schmetterlingsstaub", der an einer Stelle konstatiert, dass das Bild, das Marilyn in der Welt der Bilder hinterlassen hat, eine Seele verbirgt, von deren Existenz kaum einer wusste. Ich zitiere: "Eine schöne Seele, die von der Populärpsychologie wohl als "neurotisch" bezeichnet würde, so wie alle als neurotisch bezeichnet werden, die zu viel denken, zu viel lieben, zu viel fühlen."(S.18)

Tabucci hält weiter fest, dass das vorliegende Buch mit den vielen, bislang unveröffentlichten Dokumenten die Komplexität der Seele hinter dem Bild offenbart. Dieser Meinung stimme ich absolut zu.

Das Buch enthält private Aufzeichungen aus dem Jahre 1943. Hier schreibt sie u.a. "Es ist kein Vergnügen, sich selbst gut zu kennen oder es jedenfalls zu denken- jeder braucht ein bisschen Einbildung, um um an und um den Abgrund zu kommen." So schreibt dieses gerade einmal 17 jährige Mädchen, das sehr nachdenklich ist und so gar nicht dem Bild entsprechen will, dass man später von ihr zeichnet.

Marilyn in ein typischer Zwilling, das wird in jeder Zeile deutlich. Im Gegensatz zu Tabucchi glaube ich nicht, dass diese Frau ein Schmetterling sein wollte, sondern, dass sie aufgrund ihres Sternzeichens einer war und zwar einer mit zwei Seelen in ihrer Brust, deren eine Seele ein lyrisches Ich beherbergte.

Ich habe ihre Texte aus unterschiedlichen Jahren gelesen und mich amüsiert, wie sie ihre Schreibfehler berichtigt, indem sie die verunglückten Wörter durchstreicht und neu schreibt. Sie ist auch hier ein typischer Zwilling, zu schnell in ihren Gedanken und deshalb etwas unkonzentriert, wenn es darum geht, orthografisch fehlerfrei den Gedanken in Worte umzusetzen. Sie schreibt und hat bereits den nächsten kreativen Einfall und schon hat die Feder sich an einem Buchstaben verheddert.

Bei den Aufzeichnungen von 1955 finde ich folgendes Gedicht:

fühlen, was ich selbst
in mir fühle- Das heißt versuchen
mir bewusst zu machen
auch was ich in anderen spüre
mich nicht meiner Gefühle, Gedanken schämen-
oder Ideen
sie als das sehen, was
sie sind-
(S.83)

Sehr schöne Aufnahmen, die sie im Jahre 1953 ein Buch lesend und schreibend zeigen, visualisieren die Person, die sie auch war. Für Menschen, die nur in Schablonen denken, wird es schwierig sein zu verstehen, dass eine Frau schön und intellektuell zu gleich sein kann.

Man hat Gelegenheit einige ihrer Aufzeichnungen im Original kennenzulernen. Marilyn brachte in Druckbuchstaben ihre Gedanken zu Papier. Immer wieder sieht man sie auf Bildern lesen oder kommunizieren. Ihre Gedichte und Briefe machen deutlich, dass sie mit den geistvollen Männer, mit denen sie Liebesbeziehungen pflegte oder Affären hatte, intellektuell auf gleicher Augenhöhe stand. Neben ihren hohen geistigen Fähigkeiten besaß sie allerdings etwas, was diese Männer nicht in diesem Maße besaßen: Schönheit und Humor.

Ich wundere mich nicht, dass die Männer ihr zu Füßen lagen. Sie war eine Göttin und Mensch gewordene Traumfrau, von der sogar Truman Capote begeistert war.

Ein eindrucksvolles Buch. Sehr empfehlenswert.

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Kommentare:

  1. Sehr schöne Rezension :-)! Vielleicht interessiert Dich das:

    http://www.mymarilyn.com

    Lieber Gruss
    David Klein

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  2. Danke für die Blumen, David. Ich war mittlerweile auf Ihrer Seite. Sehr schön. Bravo.

    Liebe Grüße Helga

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